Hyperdisparität der Nahversorgung
Die Referentin #43
Ja, der Dude muss mal wieder. Politisch werden. Gerne würde er sich in Tastings und Testings lukullischer Produkte und Orte ergehen, schlürfen, schlecken, saugen. Doch stattdessen bleibt ihm nur Schlingern und Schleppen und Schimpfen. Merde.
Ausgehend von der ambivalenten gastronomisch-kulinarischen Situation in Linz, hat die Perle an der Donau auch mit einem recht ausgeprägten Nahversorgungsproblem zu kämpfen – attestiert der Dude. Ja, das gibt es überall, der Slowdude kennt das Argument – und in Linz ist es einfach verstärkt. Nach dem recht fahrigen Umgang mit der Unimarkt-Problematik seitens der Lokalpolitik schwindet die Hoffnung des Dudes zusehends. Fast alle Fraktionen im Gemeinderat ignorierten dieses Thema komplett, einzig die ÖVP startete eine etwas hilflose wirkende Aktion mittels Pressemitteilung und offenem Brief an die großen Markt-Player. Eine politische Bazooka.

Und hier manifestiert sich für den Slowdude genau die Problematik: Die Konzeptlosigkeit und Ideenabsenz für städtische Entwicklung. Ja, klar, auch hier wieder Jammern: Wenn alles so schnell und unbürokratisch ablaufen würde wie der fast gleichzeitige Bau von zwei neuen Fußballstadien, wären wir aus dem Schneider. Aber stattdessen kränkelt der Südbahnhofmarkt, verwest der Grünmarkt und die Vielfalt von Lebensmittelhändler:innen ist und bleibt überschaubar. Einzige Ausnahmen sind ein paar kleine Märkte in den Stadtteilen und der zu temporäre Freitagsmarkt am Hauptplatz. Das offizielle Linz vergisst auf seine Bewohner:innen, vergisst das „Leben“, vergisst das „Dasein“. Wirft man diese Argumente in den öffentlichen Diskurs, heißt es: Wirtschaft hin, Parkplätze her, Krise da, Sicherheit dort. Dass aber kleine Optimierungen, das Drehen an den richtigen Stellschrauben, viel bewirken können, sieht man im Vergleich mit anderen ähnlichen großen Städten. Vergleicht der Dude zum Beispiel die Marktvielfalt von Graz: Zwei große Hauptmärkte und 20 (Zwanzig!) Stadtteilmärkte. Hier gilt: Angebot generiert auch Nachfrage. Nicht nur umgekehrt. Dass eine vielfältige lokale Versorgung nicht nur die allgemeine Nachhaltigkeit stärkt, sondern auch die individuelle Gesundheit und das Wohlbefinden, ist bei der Kommunalpolitik noch nicht angekommen.
Ja, Märkte sind was für Alte, Bobos mit Lastenrädern und Jute-Linksgrüne. Damit wieder zurück zur leidigen Supermarkt-Standortsystematik. Eine Regulierung – ja, der Dude meint Regulierung im wahrsten Sinn des Wortes – wäre hier angebracht. Das Oligopol der Player wie Rewe, Spar usw. ist fest am Optimieren und Gewinne Machen. Sollen sie auch, es sind ja Unternehmen. Aber, bei einer derartigen Konzentration von Marktmacht und dem aktuellen Standort-Wildwuchs wäre es wohl das Mindeste, wenn Kommunen bei der Aufteilung im Stadtgebiet Einfluss hätten. Zum Beispiel unterversorgte Gebiete mittels Schlüssel verpflichtend zu versorgen. Kurz und schmerzlos. Bei den Gewinnen – ein lächerlicher Posten in der Bilanz, meint der Dude.
Wenn sich die politischen Gestalter:innen etwas mehr dem Big Picture aus Supermärkten, kleinen Nahversorger:innen und Stadtteilmärkten widmen würden, wären wir besser dran. Ansonsten bestellt der Dude seine Milch zukünftig bei Amazon.
Redaktionell geführte Veranstaltungstipps der Referentin
(20. März 2026)