Die Referentin #43 - Aktuelle Beiträge

Amerika ist ein Kontinent

Mar Pilz | Kolumnen, 4. März 2026
Die Referentin #43

Anfang Februar waren die sozialen Netzwerke voller Kommentare zum Super Bowl. Doch diesmal stand nicht der Sport im Mittelpunkt, sondern die Halbzeitshow. In einem Kontext, der von Hassreden und ständigen Versuchen geprägt ist, Identität auf das Weiße, Reiche und Westliche zu reduzieren, ist es kein unbedeutendes Detail, wenn ein Latino eine der meistgesehenen Bühnen der Welt einnimmt: Es ist ein Akt der Präsenz, der Selbstbehauptung und des Stolzes.

Ich bin kein Fan von Bad Bunny und höre seine Musik normalerweise nicht, aber dieses Mal wollte ich die Show aufmerksam verfolgen. Und was ich fand, war nicht nur Unterhaltung: Es war Identität. Es war eine Erinnerung daran, dass wir hier sind, dass wir laut und deutlich sprechen und dass wir nicht um Erlaubnis bitten werden, auf Spanisch zu existieren. Es war unmöglich für mich, mir nicht das angewiderte Gesicht von Trump vorzustellen, der – seit er erfahren hatte, dass ein Latino die Show anführen würde – sagte, er werde sie nicht ansehen.

Während einige versuchen, das klein zu machen, was sie nicht verstehen, feierten Millionen von uns, unsere Symbole, unsere Bezüge und unsere Geschichten auf globaler Ebene projiziert zu sehen. In einem Moment, in dem die lateinamerikanische Gemeinschaft mit Stigmatisierung, Angriffen und Ausgrenzung konfrontiert ist, wurde diese Bühne zu mehr als nur einer Show: Sie war eine Erklärung.

Als Latina empfand ich Stolz, so viele kulturelle Anspielungen zu erkennen, die uns über Grenzen hinweg verbinden. Von weltweit anerkannten Persönlichkeiten der lateinamerikanischen Musik bis hin zu Alltagsszenen, die jede und jeder von uns auf einem Familienfest erlebt hat, war die Botschaft klar: Wir teilen Wurzeln, Erinnerung und Freude. Wir sind unterschiedlich, ja – aber auch zutiefst verbunden.

Die Show war eine Feier dessen, was wir sind. Ein lateinamerikanisches Fest, bei dem auch die offensichtlich nicht aus Lateinamerika stammende Lady Gaga willkommen war mitzutanzen. Denn so sind wir: Wir schließen ein, wir teilen, wir öffnen den Tisch und servieren unseren Gästen das beste Gericht. Unsere Kultur schließt nicht aus; sie umarmt. Und wer jemals einen Winkel Lateinamerikas betreten hat, weiß das.

Es war auch eine Hommage an jene kleinen Dinge, die wir oft erst schätzen, wenn wir weit weg sind: die Taquería an der Ecke, die kalten Kokosnüsse unter der Sonne, die bunten Chicken-Busse, die durch lebendige Straßen fahren. Details, die manchmal gewöhnlich erscheinen, in Wirklichkeit aber die eigentliche Textur unserer Identität sind.

Und es gab noch etwas Kraftvolleres: auf Spanisch zu singen – ohne zu übersetzen, ohne abzuschwächen, ohne sich anzupassen. Benito (Bad Bunny) erinnerte uns daran, dass Amerika ein Kontinent ist, kein Land. Und alle diese Länder laut auf einer globalen Bühne zu nennen, bedeutet, eine Geografie zurückzufordern, die viel zu lange vereinfacht wurde. Es heißt, einen Namen zu beanspruchen, der uns allen gehört. Jedes Land hat seine eigenen Kämpfe, und nur wir selbst können durch unsere Medien verhindern, dass sie vergessen, unsichtbar gemacht oder uns sogar der Name genommen wird – so wie man es mit dem Golf versucht hat, der für uns alle weiterhin zu Mexiko gehört.

In diesen turbulenten Zeiten war dieser Moment für unsere Gemeinschaft nicht nur kulturell, sondern politisch im menschlichsten Sinn des Wortes: Er war Würde. Er war Sichtbarkeit. Er war Triumph.

Denn wenn einer von uns diese Bühne betritt, kommt er nicht allein. Wir kommen alle. Und die Botschaft ist klar: Wir sind noch hier, wir sprechen unsere Sprachen, wir haben Geschichte, wir haben Kultur – und wir haben Zukunft.

Mar Pilz
eine politische inkorrekte Frau.
Aktuelle Ausgabe
März/April/Mai 2026
Die nächste Ausgabe erscheint am 5. Juni 2026.
Das professionelle Publikum

Redaktionell geführte Veranstaltungstipps der Referentin
(20. April 2026)

25. April 2026
Lagerhaus Neufelden
1. März 2026 bis 30. April 2026
27. April 2026 bis 30. April 2026
Posthof
6. Februar 2026 bis 10. Mai 2026
Lentos Kunstmuseum Linz
Weitere Beiträge dieser Ausgabe
Zufällige Beiträge aus dem Archiv
Über uns

Die Referentin ist ein freies Zeitungsprojekt und veranstaltungsbezogenes Print- und Onlinemedium, das zeitgenössische Kunst und Kultur in Linz und darüber hinaus fokussiert. Die Referentin erscheint vierteljährlich und bietet: zeitgenössische Bezugsrahmen, längere Texte, inhaltliche Auseinandersetzungen, beste Referenzen – in der Stadt, aus der Stadt und darüber hinaus!

Die Referentin liegt in diversen kulturellen Institutionen und anderen Szene-Knotenpunkten in Linz und darüber hinaus ständig auf.

Kooperation Versorgerin

Die Referentin ist ein Kooperationsprojekt 
mit der Zeitung Versorgerin und wird auch gemeinsam mit der Versorgerin vertrieben.

Abo

Die Referentin kommt mit dem Kooperationsblatt Versorgerin gratis ins Haus.

Sie möchten Die Referentin mit einer Spende unterstützen?

Inserieren

Wir bieten Inserat-Platzierungen im ganzen redaktionellen Teil der Referentin sowie im Professionellen Publikum, einem Zeitungsteil mit redaktionell ausgewählten Veranstaltungstipps.

Vorgängerprojekt

Das Vorgängerprojekt der Referentin war die Zeitung spotsZ

Von 2006 bis 2010 sind 42 Ausgaben des Heftes spotsZ erschienen, die monatlich in Form von unabhängiger redaktioneller Berichterstattung das Kultur- und Kunstgeschen in Linz thematisieren.