Das Professionelle Publikum
Die Veranstaltungssaison startet wieder! Hier die Tipps von Walentina Kaja Ammann, Kathrina Becker, Stephanie Bergwinkl, Eva M. Dreisiebner, Nicole Honeck, Martyna Lorenc (Marty), Theresa Muhl, Kerstin Reyer, Katja Seifert und Franziska Thurner/Franka Katz für diesen Herbst!

Walentina Kaja Ammann
Austria
(Vernissage)
Das Projekt „S(M)OM. Between“ hält im Kunstraum Eindorf Einzug.
Die unabhängige künstlerische Plattform, initiiert von Guadalupe Adrete und Vaida Tamoševičiūtė, betrachtet diesmal Mutterschaft und Fürsorge aus einer kritischen Perspektive. Teil des Programms ist eine Ausstellung mit Arbeiten von Ewa Kaja und mir, in der wir unsere Mutter Tochter Beziehung thematisieren. Vor allem geht es um das ständige Wechseln zwischen der Rolle als Muse der jeweils anderen und der einer Künstlerin.
Ausstellungsdauer: Do 08. 10.–Sa 24. 10. 2026
Zum mittlerweile dritten Mal geht’s bei der „Ultimate Full Contact Wrestling Madness“ zur Sache. Vergangene Ausgaben haben durch die patentierte Mischung aus Profimatches, Amateureinlagen und brillant absurden Storylines geglänzt. Überblick übers Geschehen verschafft uns die Moderation der Drag-Koryphäe EricBigClit, für Aufregung sorgen vor allem Auftritte österreichischer Pro-Wrestler wie Rosi, Richard „Ricky“ Sky (in vorigen Ausgaben, das diesjährige Lineup ist eine Überraschung) u.v.m. Das Event holt Vollkontaktsport und Drag in den Linzer Kulturkontext und begeistert durch vollsten Einsatz. Das muss man einfach gesehen haben.
Kathrina Becker
Austria
Radical Broadcast verwandelt den Kunstuni Campus in eine experimentelle Fernsehzone zwischen Kontrollverlust, Improvisation und Größenwahn. Unter diesem Motto entsteht eine Show, die sich traut, noch während sie passiert: wilde Liveschaltungen, riskante Entscheidungen, technische Selbstversuche und Begegnungen zwischen Menschen, die entweder mutig sind – oder einfach leichtsinnig. Das spezielle an diesem Event ist, dass das passive Medium Fernsehen zur Aktivität einlädt. Besucher:innen können Teil einer Jury werden und das, was bei der Liveshow im Fernsehen passiert, bewerten. Im Außenbereich stehen ein Telefon und eine Kamera: der direkte Draht ins Fernsehen. Sei mutig, ruf an! Stimme vor laufender Kamera über Mut oder Leichtsinn ab. Ich werde es ausprobieren – wenn ich mutig genug bin.
Menschen mit und ohne Behinderung haben die Möglichkeit, bei den unterschiedlichsten Workshopangeboten ihre künstlerisch kreativen Fähigkeiten auszuprobieren oder zu vertiefen. Statt über Inklusion zu reden wird hier Inklusion gelebt.
Nur ungefähr 3 % aller Behinderungen sind angeboren. Die meisten Behinderungen entstehen im Lauf des Lebens durch Krankheit oder Unfälle. Inklusion zu denken und zu ermöglichen ist also nicht nur reine Nächstenliebe, sondern auch Selbstliebe in spe. Noch sind es vielleicht nur „die anderen“, die es betrifft. Ab wann gehörst Du dazu? Ändert diese Frage deine Sicht auf Barrierefreiheit und Inklusion?
Orte: Anton Bruckner Privatuniversität und Kunstuniversität Linz
Stephanie Bergwinkl
Germany
Wo ich wohne macht die verborgenen Geschichten eines Wohnraums auf fragmentarische Weise sichtbar. Ich beschäftige mich selbst mit privaten Räumen und arbeite gerade an einem Experimentalfilm in dem es auch um das Gespenstische, offene transgenerationale Wunden aus der Vergangenheit und die Frage geht, wie diese in der Gegenwart in Erscheinung treten können. Dazu ist das Haus am Waldsee selbst ein besonderer Ort: Das Gebäude wurde ursprünglich als Wohnhaus errichtet und wird heute als Ausstellungsraum genutzt. Auch diese Geschichte wird in der Ausstellung selbst zum Teil des Themas.
Folgetermin: So 13. 09. 2026, 10:00 h, Pinsdorf
Germany

Die Pforte ist ein kleiner, experimenteller Ausstellungsort auf der Kulturinsel an der Danziger Straße. Das Gebäude war tatsächlich einmal die Pforte zum Gaswerk und wurde 2025 saniert. Heute gibt es dort wechselnde Ausstellungen, aktuell Domesticity. Spannend finde ich Shirin Sabahis Unit: Eine Küchenzeile, die sie bei einer Wohnungsbesichtigung so gesehen hat, wird zur Skulptur und zum Ready-made. So treffen in diesem kleinen Raum Wohnen, Inszenierung und Berliner Immobilienmarkt aufeinander – und die Frage, was hier eigentlich noch echt ist.
Eva M. Dreisiebner
Austria
Anima Plus zeigt eine Ausstellung zum Anfassen und lädt ein, selbst mitzugestalten! Egal ob man zum ersten Mal ein Daumenkino herstellt, oder schon lange animiert – jede Arbeit, die sich mit dem Daumen flippen lässt, ist willkommen. Am Ende entsteht eine faszinierende Gesamtschau von Geschichten und Momenten. Mach mit!
Einreichschluss: 01. 11. 2026
Infos & Einreichformular:
Save the date!
Das Kollektiv qujOchÖ blickt zurück auf 25 Jahre Bestehen und Geschehen. Nicht nur, wer den besonderen qujOchÖ-Spirit schätzt oder selbst Wegbegleiter*in ist oder war, sollte diese Gelegenheit nutzen und mitfeiern. Party, Friends, Konzerte, Kurioses und was auch immer uns sonst noch dort erwarten wird, es wird großartig. Pflichttermin in Linz!
Nicole Honeck
Austria
Das Friedhofsgemunkel, ein Waldspaziergang der besonderen Art, lädt ein, dem Tod neugierig zu begegnen und Fragen zu stellen. Mit Anekdoten, Wissen und persönlichen Erfahrungen wird über Mythen und Fakten in der Trauer, im Sterben und natürlich auch im Leben gesprochen. Immer mit einer Prise Humor und einem Mut-Schluckerl zum Abschluss.
www.paxnatura.at/paxnatura-naturbestattung-friedhofsgemunkel-in-wundschuh
Austria
Der Tod ist ein lebendiger Begleiter. Mal leise oder laut, oft unerwartet und manchmal herbeigesehnt. Und trotzdem schieben wir ihn gerne weit weg von uns. Diese Ausstellung holt ihn mitten ins Zentrum – behutsam, konfrontativ, humorvoll und radikal ehrlich. Denn: Sterben müssen wir alle. Also reden darüber, bevor es zu spät ist.
Ich freue mich, dass mit dieser Ausstellung der Tod (s)eine gesellschaftliche Sichtbarkeit in Linz erhält. Achtsam und aufrichtig finden verschiedene Perspektiven Raum und laden ein mitzuwirken.
Ausstellung: Fr 23. 10. 2026 bis So 04. 04. 2027
Martyna Lorenc (Marty)
Austria
Welche Geister brauchen wir heute im öffentlichen Raum? Ein Ritual der Transformation macht unsichtbare Körper sichtbar: Träume, Geschichten und Empfindungen verweben sich zu einer Performance, die bestehende Zuschreibungen hinterfragt und kollektive Vorstellungskraft freisetzt.
Von LAB ON STAGE/Adriana Torres, Fatima El Kosht, Luis Gonzaga Hoyos, Martyna Lorenc.
Austria
Überfliessende Körper im öffentlichen Raum
Der Run(a)way in der Domgasse eröffnet die Möglichkeit, die kapitalistische, rassifizierte, heteronormative Ordnung des öffentlichen Raums zu stören und das Leben zu feiern, das sich hegemonialen Logiken entzieht. Imagination, Widerstand, Lust und Freude treffen aufeinander, nehmen Raum ein und bringen die Domgasse zum Beben.
Theresa Muhl
Performance Workshop, Thema: Release
Mit Collective Movement: Release laden raumarbeiterinnen 2026 erneut zu einem Wochenende voller performativer Bewegungsworkshops ein. Nach dem letztjährigen Schwerpunkt „Resist“ widmet sich das Format nun dem Moment danach – dem Loslassen, Entspannen, Entladen. Das Format richtet sich an alle, die neugierig auf die Möglichkeiten des Körpers als Resonanzraum zwischen Anspannung und Entspannung sind – unabhängig von Erfahrung oder Hintergrund.
Orte: Raumschiff, Pfarrplatz 18, Linz und Kunstuniversität Linz, Hauptplatz 6
Daniela Gutmann zeigt im Oktober ihre Solo-Show im Rahmen der Ausstellungsserie L.A.S.S.O. des Atelierhaus Salzamt. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander, denen sie auf performativer Ebene, mit Humor und Poesie kritisch begegnet. Dabei arbeitet sie mit unterschiedlichen Materialien, Körpern und Medien und untersucht, wie Performance in Bild und Film übergeht. Daniela ist u. a. Mitglied im OÖKunstverein und Co-Kuratorin des Performance-Format LOOSE ENDS im Raumschiff.
Bis So 25. 10. 2026.
Franziska Thurner/Franka Katz
Austria
Seit 15 Millionen Jahren besiedeln und prägen Biber unsere Gewässer und leben nach 150-jähriger Abwesenheit seit 1998 wieder auf Linzer Stadtgebiet. Im Rahmen einer mehrjährigen Kooperation mit dem WWF begeben wir uns auf Spurensuche für Fortgeschrittene: Wir erleben den Einfluss dieser Schlüsselspezies auf Biodiversität & Wasserhaushalt, ergründen Konflikte sowie deren Lösungen und erkunden ein urbanes, von vielfältigen menschlichen Nutzungsansprüchen und Extremwetterereignissen geprägtes Gewässerökosystem, an dem Biber und Menschen kooperativ an Dürreprävention und Biodiversität arbeiten.
Die Kosten für die Tour werden im Zuge der Kooperation vom WWF getragen. Die Tour ist somit gratis, jedoch nur mit vorheriger Anmeldung unter beaverlab@servus.at möglich. Max. Anzahl an Personen pro Tour: 12
STWST84x12 HAUNTED ist die diesjährige Showcase-Extravaganza der Stadtwerkstatt im September, die in Kooperation mit der Ars Electronica abgehalten wird. Die STWST bezieht sich in diesem Format auf Medien und Medienkunst, eine Kunst nach den Neuen Medien und kritisches Produzieren. Es werden internationale Artists und Produzent:innen eingeladen. Außerdem werden neue Kunstkontexte gezeigt, die in und um die STWST entwickelt wurden.
STWST84x12 HAUNTED thematisiert dabei mehrdeutige Hauntologien zwischen Medialität, Technologien, spukhaften Manifestationen, Wiedergängertum und Liminalität.
Besonders am Herzen liegt mir der Programmpunkt Haunted Herstory: Herzblutwiese Stadtwerkstatt – Movie & Talk, am Sonntag den 13. September von 14:00 bis 17:00 Uhr im MOVIEMENTO Kino Linz. Zu diesem Screening laden STWST und Ars Electronica gemeinsam ein, um danach mit weiteren Gästen über Feminismus, Medienkunst und diverse kulturelle Entwicklungen in Linz und anderswo zu sprechen.
Nach dem Film diskutieren:
Robertina Šebjanič, Künstlerin & Forscherin
Manuela Naveau, Universitätsprofessorin Kunstuniversität Linz
Veronika Liebl, Festivaldirektorin und Managing Director Ars Electronica
Claudia Dworschak, Regie Herzblutwiese, Künstlerin und Filmemacherin
Tanja Brandmayr, Regie Herzblutwiese, Künstlerin, Leitung STWST
Tipps von Die Referentin
Die brasilianische Musikerin Mariá Portugal ist Kuratorin des diesjährigen Unlimited-Festivals unter dem Motto „The Navel of the Dream“. Sie präsentiert ein Programm mit rund 60 Musiker:innen aus aller Welt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Künstler:innen aus Lateinamerika liegt. Ihr ambitioniertes Projekt spannt einen Bogen von experimenteller Musik, freier Improvisation und Jazz bis hin zu Electronica, Noise und Punk. Anlässlich der 40. (Jubiläums)Ausgabe des Festivals beginnt das Programm heuer bereits am Donnerstag um 19:30 Uhr mit einer Ausstellung und zwei Konzerten. Der Eintritt zu dieser Eröffnungsveranstaltung ist frei!
Kunst trifft Wohnzimmer, spielerisch und ganz privat
Sie können als Gastgeber:in in Linz Künstler:innen zu sich nach Hause einladen. Sie bestimmen, ob Sie die kurzen Interventionen (20–45 Min.) alleine, im Kreise Ihrer Familie oder mit Freund:innen genießen wollen. Dafür ist kein Wohnraum zu klein oder zu groß.
Sie können schon jetzt Ihr Interesse bekunden, indem Sie uns eine Mail senden: labor@fabrikanten.at
Redaktionell geführte Veranstaltungstipps der Referentin
(4. September 2026)