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The Metal Underground Resistance

By   /  1. September 2018  /  No Comments

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Bands, Party und der Heavy Metal Spirit: Valerie Straßmayr hat Domenik Riedl und Bastian Moser getroffen. Die beiden veranstalten Metalkonzerte in Linz sowie dieses Jahr zum ersten Mal das Festival ‚Steel City Sorcery‘ von 7. – 8. September in der Kapu. Hier, online, die ungekürzte Version über die Linzer Community, die Festivalorganisation und den Underground.

1,2,3 ... Ranger. Foto Stell City Sorcery

1,2,3 … Ranger. Foto Stell City Sorcery

Meine erste Frage wäre, wer alles Steel City Sorcery macht? Seid das ihr zwei oder sind noch mehr Leute beteiligt?

D: Da ist auf jeden Fall noch Jannis dabei, der Artwork und Design macht und ich zähle auch unseren näheren Freundeskreis dazu.

B: Es ist eine Community, ohne die wir das ganze eigentlich nicht gestartet hätten, weil wir gesagt haben, dass von vorneherein ein Kernteam da sein muss, wo man ein Backup hat. Das ist wichtig, alleine für die Aftershow-Parties…

D: Wer da auflegt, die zählen wir schon auch dazu, das sind immer dieselben Leute.

Warum habt ihr das Steel City Sorcery ins Leben gerufen? Oder es als Veranstaltungsreihe gemacht?

B: Weil wir gesagt haben, dass es mit einem Konzert sicher nicht getan ist. Wenn man einen Fixpunkt schafft, bekommt man mehr Angebote und kann umso bessere Bands machen und es ist ziemlich schnell ein Selbstläufer geworden. Mit dem haben wir gar nicht gerechnet, dass das wirklich so aufgeht. Ich hab mir das erst nochmal angeschaut. Ich hätte mir nie gedacht, dass nach Ewig Frost, Deathstorm und Brand gleich einmal Ranger kommt, was für mich genau in die Richtung geht, wo ich von Anfang an hinwollte. Das war ein ziemlicher Startschuss, auch wenn es ein halbes Jahr später war.

D: Für mich war es schon von Anfang an als Reihe ausgelegt…

B: Das schon, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir gleich Chancen bekommen unsere persönlichen Präferenzen so stark zu vertreten. Ich hätte schon gedacht, dass wir zuerst in österreichischer und nähere Umgebung herumgrundeln. Aber gleich einmal cooler Speedmetal aus Finnland, da sag ich nicht nein.

Also war es schon ein Ziel von euch, dass ihr bekannter werdet oder bekanntere Bands herbekommt, nicht nur Underground?

D: Naja, es ist eigentlich eh noch hübsch Underground, finde ich. Da könnte man aber lange diskutieren, was überhaupt Underground ist.

B: Da kommt man vom Hundertsten ins Tausendste! Sagen wir einmal Underground‘s Finest, doch international, wo man sagt ok, die Bands haben zu Recht schon einen kleinen Ruf, sind aber doch weit weg vom Mainstream.

D: Ich finde ja das Ganze ist etwas an die Live Evil-Schiene aus London angelehnt.

B: Die haben einfache eine super Mixtur beisammen.

D: Die waren eigentlich die ersten, die sowas begonnen haben. Demnach sind in anderen Städten auch solche Sachen entstanden. Darum glaub ich, dass wir unbewusst auch so ein Ableger sind.

B: Da kannst du über Branding diskutieren. Wir machen ja auch Death und Blackmetal-Bands, aber das muss auch immer diesen schönen Gossencharme vom Heavy Metal haben. Es muss halt zusammenpassen. Das ist die Königsdisziplin.

Wie seid ihr eigentlich zu dem Namen Steel City Sorcery gekommen? Steel City lässt sich ja noch recht leicht herleiten…

D: Ganz viel blöd sein…

B: Weil es zauberhaft ist und weil es supergeil klingt!

D: Ich weiß gar nicht, wie lange wir überlegt haben. Das ging glaub ich relativ schnell. Irgendwem ist das einfach so mal rausgerutscht.

B: Steel City Sorcery… Das kannst du besoffen auch sagen.

Die Steel City Konzerte sind eigentlich immer in der Kapu. Seid ihr von der Kapu? Oder wie kam es dazu?

D: Hauptsächlich sind sie aus dem Grund da, weil ich hier sowieso arbeite und Booking mache. Das gehört zu meinen Booking-Tätigkeiten dazu. Es war irgendwie logisch, dass wir das hier machen. Wieso soll ich mir eine andere Location suchen, wenn man das hier einbetten kann. Bis jetzt haben wir einmal ein Konzert in einem Linzer Keller veranstaltet.

Das waren Eisenhand und Hellbringer, oder?

D: Ja genau. Ich find es auch okay mal wo anders Sachen zu machen. Die Homebase ist aber hier.

Das ist eh eine der besten Locations.

B: Ja, der Flair ist perfekt.

D: Ich würde es auch nicht in der Stadtwerkstatt machen wollen, ich denk, die würden unten keine Freude mit den Afterparties haben. Da schmeißt du einen Sessel und bist schnell draußen. Hier ist das einfach egal.

Ich hab auch das Gefühl, dass in der Kapu die Stimmung am leiwandsten ist. Wie ich angefangen habe auf Konzerte zu gehen, war ich in Linz mehr im Keller und im Ann & Pat.

B: Das kann man schon sagen, hier geht das ja auch schon über Jahrzehnte.

D: Das Ann & Pat hat, leider finde ich, etwas nachgelassen mit den Bands, die spielen. Früher haben da bessere Bands gespielt.

B: Man muss auch dazu sagen, dass die dort einen Rahmen haben und einfach abspecken müssen.

D: Ja, die haben immer nur Freitage.

B: Das ist halt ein Jugendzentrum, die sind anders strukturiert. Hier können wir unsere Narrenfreiheit mehr ausleben.

D: Wir können uns schon gescheit auslassen. Das ist cool.

Meine nächste Frage hat sich ja praktisch schon zum Teil geklärt, dass ihr vor Steel City Sorcery schon Veranstaltungen organisiert habt.

D: Ich mache das jetzt schon seit sieben Jahren.

B: Du hast im MuKuKu angefangen. Das total auf DIY basiert war.

D: Da haben wir in der Gemeinde in Kremsmünster, einem, wenn überhaupt, 5000-Seelendorf, in ein Haus in den ersten Stock, einfach die ärgsten Bands eingeladen. Jahrelang, das war jedem im Ort total egal. Das war richtig geil.

Tut sich dort heute noch etwas?

D: Da ist jetzt das Tumult drinnen. Die machen auch noch Konzerte, aber nicht so viele.

B: Ja, das sind schon weniger.

D: Wir waren auch vollkommen wahnsinnig. Wir haben zweimal im Monat eine Show dort organisiert. Das ist eigentlich viel zu viel, für das, dass es irgendwo am Land ist.

B: Da ist die Dorfcommunity einfach noch größer gewesen. Von denen sind viele Richtung Wien weggezogen. Wenn du dort den Kern hast… Da müssen einfach Leute mitziehen, sonst können wir da gar nichts machen. Underground ist Underground und da merkst du einfach, vor allem im Dorf, liegt es einfach an zwei Personen oder an einem, der einfach motiviert ist. Wenn der wegfällt, dann ist alles weg, wenn der die ganze Partie zusammenhält.

D: Du dürftest ja auch schon seit zwei Jahren Konzerte machen. Die Zeit vergeht schnell.

B: Vorher hab ich Adem, von Death Over Eferding, beim Booking geholfen. Das ist schon in die Schiene geschlagen. Wir wollen geile Bands, es geht um die Party und das Ausleben vom Heavy Metal Spirit.

Bist du ein Eferdinger?

B: Ja ich bin ein Eferdinger.

D: Es ist ganz wichtig, dass man im Team mindestens einen Eferdinger hat. Sonst geht da gar nichts.

B: Das ist der Deal! Wenn du die Schiene fährst, schadet es zumindest nicht. Da gibt es eine Tradition in diesem Nest!

Wie unterscheidet sich die Organisation von einem Konzert und einem Festival? Ihr macht ja jetzt zum ersten Mal das Steel City Sorcery Festival.

B: Die Größenordnung.

D: Es ist auf jeden Fall die Größenordnung. Ein Hauptproblem ist, dass ich die ganzen Bands nicht im Haus schlafen lassen kann. Ich hab halt für 10-15 Leute mit Matratzen Platz. Das ist mal das Erste, ich muss Hotels suchen, was ich sonst nicht mache. Es kommen Acts, die man vielleicht einfliegen lässt. Da kommt Flüge checken dazu, das hab ich sonst noch nie gemacht. Normalerweise kommen immer tourende Bands mit ihrem Bus. Die brauchen nur einen Parkplatz und passt. Für mich persönlich war Flug buchen etwas, was mich gar nicht zaht.

B: So haben wir auch immer selbst gekocht. Bis jetzt waren das maximal vier Bands.

D: Das macht einen Unterschied, ob ich für 15 Leute Catering mache, oder für 35.

B: Das geht sich alleine nicht mehr aus. Der Anspruch ist auch ein anderer. Man will schon, bei einem Festival, wo man hofft, dass auch Leute von weiter wegkommen, Bands von weiter weg holen. Dann überlegen wir uns natürlich auch, wie man unser Festival wirklich herausstechen lassen kann, aus der Fülle an geilen Festivals, die es mittlerweile schon überall gibt. Die Qualität nimmt nicht ab. Man könnte sich jetzt schon zerreißen.

D: Man könnte ohne Problem jedes Wochenende wo hinfahren.

B: Ja genau, und wir haben trotzdem den Anspruch, die Tickets günstig zu halten, möglichst faire Preise zu machen. Es ist einfach cool, keinen abzuzocken, vor allem für etwas, das eine Herzensangelegenheit ist.

Die zwei Tage kosten 40€. Das ist für dieses Lineup auf jeden Fall fair.

B: Ja, wir überlegen uns gerade eh, wie es sich ausgeht.

D: Da bin ich mittlerweile schon positiver gestimmt. Ich hab am Wochenende schon von Leuten aus Bayern und Leipzig gehört, dass sie sich schon freuen zu kommen. Ich glaub, wir haben schon ein gutes Einzugsgebiet.

B: Ok, wenn du gut drauf bist, bin ich es auch.

D: Dazu kommt auch, dass wir draußen auch etwas Lustiges machen wollen. Schnaps mit Gurkerl etc. Das Rahmenprogramm ist total wichtig.

B: Dazu wollen wir auch noch nicht zu viel verraten.

D: Was auch noch dazukommt, bei einem Fest mit so vielen Bands an einem Tag, darf man die Organisation nicht unterschätzen. Bei normalen Konzerten mit drei Bands, da sind alle am Nachmittag da. Soundcheck, Essen, Konzert. So müssen sie viel früher da sein, wenn sie checken wollen. Den Zeitplan muss man viel tighter einhalten. Wenn bei sechs Bands, jede eine halbe Stunde Verspätung hat… Dann spielt die letzte Band um drei in der Früh und das interessiert dann auch keinen mehr. Da bin ich gespannt wie das funktioniert. Normal ist es hier recht leger. Sehr freundlich ausgedrückt. Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass das an dem Wochenende halbwegs passt. Ich will ja auch genug Zeit für die Afterparty haben!

Macht ihr selbst Musik oder spielt in Bands?

B: Ich spiele in zwei Blackmetal Bands. Kringa gibt es schon relativ lang. Bei Hagzissa gibt es die Idee schon relativ lang, ist aber erst jetzt umgesetzt worden. Das nutzt mir schon sehr viel, wenn ich die Hintergrundgeschichten kenne. Hätte ich einfach nur als Fan angefangen, mich in die Organisation hineinzuhauen, wäre es mir um einiges schwerer gefallen. Das erleichtert das ganze schon.

D: Ich spiele in Eisenhand, einer Heavy Metal Band. Dann hab ich noch mit Jannis ein Black Metal Impro-Projekt. Es wird vermutlich weiterhin Impro bleiben, vielleicht kommt etwas mehr Struktur.

B: Wir zwei haben auch noch etwas mit einem Gitarristen geplant.

D: Ja, genau. Das ist aber noch am werden. Das kommt erst.

B: Ja, da muss man noch schauen. Es wird auf jeden Fall eher etwas Richtung Speed Metal werden.

D: Ich glaub auch, dass draus etwas wird. Ich bin motiviert.

Wie kam es bei euch dazu, dass ihr überhaupt Metal gehört habt?

D: Da wird es bei mir peinlich. Mit 15/16 Pagan Metal. Das Heidenfest im Posthof war ganz groß. Da warst du doch auch dort!

B: Ja, da kannten wir uns aber noch nicht.

D: Eluveite und Equilibrium haben da gespielt. Das waren so meine Anfänge.

B: Du hast gar nicht gesagt, dass es für mich auch peinlich wird!

D: Dann ist es recht schnell Black Metal geworden und jetzt immer mehr Heavy Metal.

B: Back to the roots! Bei mir war es auch klassisch. In der Schule nimmt jemand eine Metallica-CD mit. Geil! Dann kommst du drauf, dass der Papa viele Schallplatten hat. Da ist dann AC/DC, Motörhead und Deep Purple dabei. Dann ist das aber irgendwie zu fad und man will härter und böser sein… und dann ist man trotzdem irgendwie beim Pagan Metal gelandet.

D: Das ist die eine Abbiegung, die du falsch gegangen bist.

B: Da waren dazwischen auch Dimmu Borgir, Marduk und Cannibal Corpse. Und wenn man es nicht besser weiß… Man muss sich halt hintasten. Es gibt ja richtig viele geile Bands und es wird schwierig, dass du gut filterst. Man kann im Underground so viel graben. Es ist ein Wahnsinn!

D: Es ist dann mehr die Angst, dass da so viel Musik ist, die man hören will und man hat nicht genug Zeit im Leben.

Über so was darf man gar nicht zu viel nachdenken. Da wird man verrückt.

D: Total.

B: Die Aufmerksamkeitsspanne ist auch so gering geworden. Man hört nur mehr schnell auf Bandcamp hinein. Eigentlich furchtbar.

D: Das Heidenfest war ja wirklich einer meiner Konzert-Anfänge. Wir sind da fast schulklassenmäßig hingefahren.

B: So populär war das damals. Da haben wir ja eine gute Entschuldigung, dass man sich kaum entziehen konnte.

D: Das war schon cool.

Das Heidenfest habe ich ja noch nie vorher gehört.

B: Das war 2008, glaub ich. Eluveite, Equilibrium, Ensiferum, Korpiklaani

D: Equilibrium haben da ihr zweites Album oder so herausgebracht.

B: Finntroll war sicher Headliner!

D: Nein, die waren im Jahr darauf.

Dafür habe ich da eine gute Entschuldigung, dass ich noch nie davon gehört habe. 2008 bin ich sechs Jahre alt gewesen.

D: Ich glaub aber, da du und ich und die Leute, über die wir uns kennengelernt haben, dort waren, das ist schon ein bisschen … wenn du es darauf auslegen möchtest … die Geburtsstunde.

B: Naja, wenn man es darauf auslegt…

D: Nein, es war die Empfängnis. Geburtsstunde war später!

B: Man sieht halt, dass es damals zwei Mal im Jahr im Posthof Konzerte in der Richtung gab. Natürlich geht da jeder hin, der irgendwie affin für die Musik ist. Das war uns schon zu wenig, was in Linz passiert ist. Das ist schon, wo wir sagen: das kann’s nicht geben. Es gibt ein Aps und nach wie vor ein Thüsen Tak. Es ist dahingestellt, wieviel Spaß man in diesen Beiseln haben kann, aber grundsätzlich hat es da immer Leute gegeben, denen das gefällt. Warum sollte man da Konzerte aussterben lassen, wenn das das Wichtigste ist. Sich treffen, das ausleben…

D: Bis auf die zwei Mal im Jahr, wo im Posthof eine fette Metalpartie hereinprallt.

B: Ja, das kannst du aber auch aufschreiben, wenn Kreator da mit ihren Luftballons herkommen, dann ist das keine Metal-Show für mich… so gut die Alben Extreme Aggression und Endless Pain auch sind.

Das haben sie letztes Jahr im Gasometer auch gebracht… mit Konfetti und Luftballons.

D: Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern…

B: Ich hab ja gewusst, dass so was in die Richtung kommt. Ich hab mir aber gedacht, schau ich mir das an. Pungent Stench spielen auch. Insanity Allert sind live auch immer witzig. Aber ich bin dort gestanden und nach dem halben Set hab ich mir gedacht: Ich will nicht mehr. Wie lang ist das wieder aus, dass im Posthof so eine Metalshow war?

D: April, oder? Ja.

B: Aber davor. Jahre… um wieder den Bogen zum Thema zurückzuspannen.

D: Ich weiß die Frage gar nicht mehr.

B: Warum wir Metal hören… weils im Posthof war.

Wie motiviert findet ihr die Linzer Metalszene?

D: Die da sind, sind schon motiviert, aber ich hab das Gefühl, dass ich nicht mal alle kenne.

B: Das ist ja auch schon schön, für so eine kleine Stadt wie Linz. Bei den Leuten, die da sind, denk ich mir: Ihr habt euch die Bands angehört, ihr freut euch, dass sie spielen und ihr steht nicht nur im Eck. Das freut mich besonders.

D: Der Spirit im Saal, der passt.

War es leicht euch zu etablieren?

D: Ja. Die Leute haben eigentlich darauf gewartet, dass es etwas gibt. Das hat man auch gemerkt. Das spricht auch dafür, da es im Herbst auch noch viel gibt. Das ist gerade echt ein Ding, das noch ein bisschen anhalten wird. Bis sie wieder alle gesättigt sind.

B: Das wird in der Zukunft vielleicht ein Thema.

D: Das heißt halt, dass es vielleicht nur mehr ein Konzert pro Monat, oder alle zwei Monate ein Konzert gibt. Nicht, dass es ganz aufhört.

Ihr seid ja auch noch nicht so alt, aber merkt ihr einen Unterschied zur Community von damals und heute. Sind heute noch die gleichen Leute dabei?

D: Ich finde es immer so schön, wenn Leute von ‚früher‘ zu den Shows kommen und es ihnen gefällt. Ich hab schon ein paar im Saal mit einem zufriedenen Grinsen gesehen. Da denkt man sich: Passt, ich hab die Alten auch damit abgeholt. Das ist schon cool.

B: Da rennt die Nostalgiekamera. Das ist cool, aber eher die Ausnahme. Die kommen vermutlich, weil sie sich denken, jetzt waren wir schon echt lange nicht mehr unterwegs. Ich weiß es aber nicht. Man kennt sie zu wenig. Ich kenn zwar ein paar von den alten Eferdingern, aber die kommen nicht her. Die wissen schon, dass es was gibt, sind aber auch schon ruhiger geworden.

D: Ich denk, es geht mehr um generell die Linzer Urgesteine, die sich das anschauen. Wo auch Leute aus dem Porn To Hula-Umfeld da sind. Die sind vielleicht auch nur wegen dem Phil, der die Technik macht, da. Der Vergleich zu früher fällt mir ja schwer, vermutlich liegt das am Alter.

B: Ich hab bei unserem Publikum schon das Gefühl, dass die meistens sogar jünger als wir sind. Maximal bis in unser Alter. Ab 30 sind das schon Ausreißer.

Kennt ihr noch Veranstalter, die früher Metalkonzerte in Linz gemacht haben?

D: Nein, eigentlich gar nicht. Außer man zählt den Post-Metal in der Kapu dazu, der einmal passiert ist. Aber von der Schiene, die wir fahren, kenn ich eigentlich keinen.

Habt ihr Wünsche für die Zukunft hier in Linz?

D: Ich würd gerne ein Open Air Fest machen.

B: Das wär schon ein kleiner Teenie-Traum.

D: Aber das ist noch weit weg. Nächstes Jahr sicher noch nicht. In zwei Jahren wahrscheinlich auch noch nicht. Aber das wollen wir.

B: Schön wäre es auf jeden Fall, wenn wir jedes Jahr ein Festival in dieser Größenordnung machen können. Da können wir total zufrieden sein.

Welche Location würdet ihr euch für ein Open Air in Linz vorstellen?

D: Ich wär da ganz pragmatisch und würde am Rodelgelände in Ottensheim anfragen. Wo auch das Ottensheim Open Air stattfindet. Das Gelände ist cool, man kann baden gehen… Man setzt sich zwar ins gemachte Nest, aber bei so einer Mammutaufgabe wie ein Open Air organisieren, stört das nicht. Da ist jede Aufgabe, die nicht zu organisieren ist, eine Erleichterung. In Linz gibt es eh nicht so viel Möglichkeiten dafür. Da muss man eben etwas nach außerhalb gehen. Ottensheim erreicht man aber noch gut mit allem. Da spricht nichts dagegen, es dort zu machen. Wann es überhaupt einmal spruchreif wird.

Manche größeren Bands wie Bell Witch oder Church of Misery spielen ja in der Kapu, aber nicht als Steel City Sorcery Konzert? Wie grenzt ihr das ab?

B: Das stimmt, das hätte beides unter der Reihe laufen können.

D: Das hängt damit zusammen, dass ich zum Beispiel Bell Witch einfach selber gebucht habe. Da haben wir gar nicht darüber geredet und das ist ein Kriterium für Steel City. Das war glaub ich wirklich der Grund. Wir reden normal schon darüber, was wir machen.

B: Es ist wirklich schwer, das abzugrenzen. Es ist eine Gefühlssache. Klare Trennlinien gibt es da nicht.

Bei euch spielen ja keine Punkbands. Die Linzer Punkszene war schon immer größer als die Metalszene. Wollt ihr euch klar vom Punk abgrenzen und eine reine Metalkonzertreihe sein?

D: Eigentlich will ich das gar nicht machen.

B: Ich auch nicht. Ich bin ein großer Punkfan. Wir fragen auch schon seit Jahren bei Indian Nightmare an, die eine perfekte Mischung zwischen Metal und Punk sind. Auch von der Ästhetik perfekt für die Kapu. Das kann man mit Metalbands gut zusammenbuchen, wo teilweise ja noch Berührungsängste bestehen. Das wird aber vom Gefühl her auch immer besser.

D: Bis jetzt hat sich das auch noch nicht so ergeben. Wenn wir einen Headliner haben, sind uns bis jetzt keine passenden Punkbands eingefallen. Am Festival spielen auch Vole aus Tschechien. Das ist lupenreiner Punk. Das passt super. Spiker sind mit ihrem Straßenrock auch eher punkig.

B: Ja ziemlich Deutschpunk. Wir wollten das von Anfang an auch mischen.

D: Auf jeden Fall nicht abgrenzen. Das ist das Schlechteste, das man machen kann.

B: Beim Festival haben wir immer schon gesagt: Da spielen mindestens ein bis zwei Punkbands.

Was war für euch persönlich das beste Konzert, das ihr gemacht habt?

D: Sagen wir es auf drei gleichzeitig? Mich würd es interessieren, ob wir das Gleiche sagen. 1…2…3…

D, B: Ranger!

D: Das war einfach rundum geil. Vom Lineup, viele Leute waren da, die Stimmung war gut. Es ist bei Ranger voll abgegangen. Das war fast schon zu gefährlich. Es hat einfach alles gepasst.

B: Für mich war das die offizielle Geburtsstunde. Da hat man gewusst, dass das funktioniert und dass man das machen kann. Es hat eine Rundum-Bestätigung gegeben. Das war ja ein totales Experiment. Die haben 500€ gekostet. Es war ein totales Zittern. Aber wenn Hip-Hop-Shows in der Kapu teilweise mehr kosten und unter der Woche stattfinden, dann müssen wir uns so etwas auch trauen.

D: Das war das erste Mal, dass wir uns wegen den Gagen und den Kosten denken mussten, wenn 50 Leute kommen, dann ist das eine Niederlage.

B: Und die Hütte war voll. Es war die geilste Party. Da hat alles gestimmt.

Wann war das Konzert?

D: Jänner vor einem Jahr.

B: Ja, das war Ende Jänner 2017. Das war das zweite, das wir je gemacht haben nach drei österreichischen Bands. Die anderen zwei Bands waren eh auch Österreicher. Aber Küenring kennen wir seit Jahren. Das ist einfach unwiderstehlicher Charme.

D: Küenring sind auf jeden Fall ein Anhör-Tipp. Die kennen meiner Meinung nach viel zu wenig Leute.

B: Viel zu wenige! Sie schauen ja auch nicht wie die Rockstars aus. Beurteile die Leute nie nach ihrem Aussehen.

Habt ihr Küenring nicht diesen März auch wieder hergeholt?

B: Denen hat es so gefallen, dass sie ihre Album-Releaseparty hier machen wollten, obwohl sie alle Wiener sind.

Hattet ihr schon negative Erfahrungen mit Bands oder Bandmembers, die hier gespielt haben?

D: Nein, eigentlich gar nicht. Das sind meistens nette Leute.

B: Die sind sehr dankbar.

D: Die meisten sind sehr froh, dass sie hier im selben Haus schlafen können. Ja, es hat nie wirklich was gegeben. Wir kümmern uns auch um die Leute. Ich hatte schon lange Nächte mit Bandleuten, wo wir bis acht in der Früh hier zusammengesessen sind. Vor allem gerade mit Leipziger Partien.

B: Ähnliche Musik, ähnliches Alter…

D: Da gibt es eine Connection. Linz – Leipzig, da gibt es unserer Meinung nach schon eine Verbindung. Das ist cool.

Fragen bei euch Bands aus Eigeninitiative an, oder liegt das mehr an euch?

B: Ja, mittlerweile müssen wir viel mehr ablehnen, als wir eigentlich wollen, weil das Programm in der Kapu relativ dicht ist oder weil die Anfragen teilweise zu knapp sind.

D: Man hat schon gemerkt, wie das kontinuierlich mehr geworden ist. Am Anfang ist noch nichts gekommen, dann hab ich mal die ersten Bands angeschrieben. Auf einmal bist du auf irgendwelchen Verteilern von Booking-Agencies.

Hat bei euch schon jemand angefragt, den ihr hier nicht spielen lassen wollt?

B: Ja schon, aber mehr, weil es uns nicht reingepasst hat.

Also habt ihr da schon Kriterien, dass ihr Bands teilweise nicht spielen lasst, weil sie zu kontrovers sind oder einfach von der Musik nicht passen.

D: Beides. Bei manchen Bands check ich das schon ab, wenn ich mir denke, die klingen vielleicht jetzt ein bisschen edgy. Da schaut man halt dann. Das Gute ist, dass die Musik meistens auch scheiße ist. Das macht das dann relativ einfach zum Absagen. Da muss man eine klare Linie ziehen. Das ist ganz wichtig.

B: Ich hab das vorher nicht dazugesagt, aber ich bin auch aus der Kapu-Betriebsgruppe. Auch aus Respekt vor den Werten der Kapu und welche Leute dann halt kommen würden. In aller Klarheit willst du hier keine Nazis haben und keine Leute, die andere einfach abfucken. Es gibt eben gewisse Bands, die so kontrovers oder auch einfach deppert sind.

Fragen solche Bands dann auch an, weil sie die Kapu nicht kennen?

B: Ja, eher so.

D: Aber auch selten. Einmal war so eine Partie, bei deren Label Zorn herauskommt, da wird einem schon ein bisschen schwindelig. Damit hab ich mich viel beschäftigt und das ist schnell ein Ausschlusskriterium. Die Musik ist meistens eh scheiße, das ist einfach so.

Spielen bei euch auch Bands, die euch gar nicht gefallen, weil ihr denkt, den Leuten taugt das?

B: Naja, nicht gar nicht, aber es gibt ja Vitamin B.

D: Wie auch überall schleicht sich Korruption durch alle Ebenen.

B: Lassen wir das so stehen. Es gibt Vitamin B. Im Endeffekt haben wir es nie bereut. Das war mehr im Vorhinein.

Welche Bands wollt ihr einmal unbedingt herholen?

B: Aura Noir.

D: Daran arbeiten wir schon seit über einem Jahr. Dort ist die Tour immer wieder verschoben worden. Jetzt spielen sie im Dezember und kommen nur einmal nach Graz. Ich will Aura Noir auf jeden Fall lieber hier als in Wien haben. Ich weiß nicht wieso. Ich glaub, die wären hier einfach geiler. Gewaltbereit will ich ja auch noch immer machen, das ist aber noch nicht so weit.

B: Leipziger Hardcore Punk, wie er uns eben richtig gut gefällt! Old school, ehrlich, Mittelfinger, g‘schissen. Geil.

D: Zwei Mittelfinger mindestens!

B: Ja. Also Aura Noir und Gewaltbereit.

D: Anfangs haben wir ja sogar eine Liste geschrieben. Devision Speed war die erste Band.

D: Die Anfangsliste haben wir ganz gut abgearbeitet.

B: Bei Deathhammer wissen wir noch nicht, ob die uns die Hütte wegreißen.

D: Ich glaub, das ist dann so das letzte, das wir machen. Das müssen wir uns überlegen, aber nachdem ich den Sänger letztes Wochenende wieder gesehen habe, denk ich mir, dass das schon echt geil wäre.

Würdet ihr auch mal gerne so eine große Band wie Pungent Stench herholen?

B: Da haben wir tatsächlich schon überlegt, sind aber noch nicht auf einen grünen Zweig gekommen.

D: Stench wären für mich eher ein Headliner für irgendwas irgendwann mal.

Gibt es abschließend noch etwas, das ihr noch sagen wollt? Was vielleicht noch offengeblieben ist?

D: Danke an die Leute, die immer kommen und die das zaht, was wir machen.

B: Das ist echt das wichtigste. Und auch das Community-Ding, das wir vorher angesprochen haben. Das ist ganz wichtig. Und auch, dass uns die Leute daran erinnern, wenn etwas deppert laufen sollte.

Wir sind auf jeden Fall offen für Feedback.

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About the author

ist Schülerin und war im Sommer Praktikantin in der Stadtwerkstatt. Sie ist Musikenthusiastin, Konzertfotografin und angehende Bassistin.

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