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Editorial

By   /  30. November 2023  /  No Comments

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„Wir möchten Sie darüber informieren, dass unsere Veranstaltung (…) nicht stattfinden wird. Wir sind in Sorge, dass wir mit unserem großen Anliegen, dem Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Vorurteile, mit unserer geplanten Veranstaltung (…) in der aktuell aufgeheizten Stimmung nicht ‚gehört‘ oder aber auch ‚missverstanden‘ werden. Aus diesem Grund und weil wir befürchten, dass der Konflikt im Nahen Osten noch weiter eskaliert, sehen wir uns gezwungen die Veranstaltung (…) vorerst abzusagen. Dies ist keinesfalls als Abrücken von unserer klaren Position im Kampf gegen Antisemitismus zu sehen, sondern der pragmatischen Überlegung geschuldet, in welcher Form wir in dieser Situation unserem Anliegen nützlich sein können. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Dieses Zitat ist Teil einer Pressemitteilung über eine abgesagte November-Veranstaltung von SOS Mitmensch – eine Veranstaltung gegen Antisemitismus, für Menschenrechte. So sieht’s derzeit aus, zu Kriegszeiten in Israel. Und übrigens auch in der Ukraine, von der man nun weniger hört. Befürchtete Eskalation und noch mehr Antisemitismus, der sich derart hinter humanitären Argumentationen, sagen wir doch: menschlichen Schutzschildern, verbirgt, dass man Veranstaltungen gegen Antisemitismus und Rassismus absagen muss. Bzw. tritt der Antisemitismus in Zeiten wie diesen auch ganz blank hervor. Dies sei auch hier festgestellt, damit nachher wieder niemand sagen kann, nichts gewusst zu haben, deshalb: Es ist unübersehbar, jeder kriegt es mit! Die Auslassungen im Zitat oben wurden übrigens deshalb gemacht, um von der Grundmessage nicht anzulenken. Wer sowas wie „Zensur“ oder Färbung dahinter wittert, kann gern im Social-Media-Kanal des Vertrauens nachwischen.

Von hier können wir nun mit verschiedenen Erzählsträngen weitermachen, Variante 1: Das Wiener Belvedere 21 hatte innerhalb seines Ausstellungsformates „Über das Neue, Teil 3“ einen tatsächlichen Zensurvorwurf. Bei dieser Ausstellung, bei der auch zwei Linzer Initiativen eingeladen waren, EFES 42 und bb15, hat eine Wiener Initiative quasi gleich mit Eröffnung wieder abgebaut. Bitte selbst nachlesen, Ralf Petersen war bei der Eröffnung.

Politische Überleitung 2, etwas softer: Im Interview mit dem Short Film Festival Linz ist die Referentin an einer Stelle der Frage nachgegangen, warum eigentlich heute lieber mit „Vielfalt“ und dafür weniger mit „Politik“ argumentiert wird, lieber mit „kulturellem Dialog“ als mit „Kritik“. Die Festivalleiter:innen Ashkan Nematian und Parisa Ghasemi haben das getan. Konkret zu deren Antworten bitte auch selbst nachlesen. Wir merken zum Abhausen der Begriffe Politik und Kritik an dieser Stelle aber an, dass es eben genau deshalb so weit gekommen sein könnte, weil eine Haltung von Politik und Kritik viel zu widersprüchlich und auch gefährlich geworden ist, als dass man damit noch innerhalb einer an sich kritischen Kunst- und Kulturszene agieren kann. Dafür spricht etwa auch das Beispiel, Achtung Szenenwechsel, unseres einstigen Lieblings Greta: Wie sich Greta nun „politisch“ und „kritisch“ äußert, ist tatsächlich gruselig. Und was auch gruselig ist: Wie soll irgendwer wirklich damit fertig werden, wenn sich plötzlich Kriege quasi wie in einem selbst abspielen, deren Drastik sich sozusagen in den eigenen Körper spielt, durch Echtzeit-Charakter. In diesem Sinne: So wie wir Greta kennen, nimmt sie Realität in ihre persönliche Existenz mit hinein. Die Erfahrung von Jüngeren ist halt auch, dass die Alten, mit dem Klima etwa, sowieso alles verschissen haben und sich weiterhin um nichts zu kümmern gedenken. Geschichtsbewusstsein dämmert sowieso höchstens dahin, und dann ist halt alles zusammen Konflikt inside. Deshalb, bevor Greta zu sehr gebasht wird: Es ist eine Zumutung, was jüngere Menschen an Realität vorfinden.

Deshalb hier schnell auch Ablenkung und Verweis, auf Glücksdrogen und den Dystopie-Klassiker Schöne neue Welt. Christian Wellmann war auf Phönix-Vorpremieren-Besuch.

Fast am Ende noch als dritter Erzählstrang nach dem Eingangsstatements gegen Antisemitismus und Rassismus: Wenn wir Wels sagen, weiß auch jede:r gleich, was gemeint ist. Silvana Steinbacher hat mit der Welser Stadtschreiberin Irene Diwiak gesprochen, die unter anderem die NS-Widerstandsgruppe Weiße Rose literarisch bearbeitet hat. Und was in Wels so in Richtung blaue Normalität vorgeht, das kann man besonders auch in der Versorgerin nachlesen (Geld für den Besuch von blauen Veranstaltungen, wirklich?). Und die Versorgerin äußert sich auch zu humanitären Schutzschildern, zu Israel und Solidarität – und nimmt ganz nebenbei doch noch kritische Haltungen und politisches Bewusstsein zu Kunst und Kultur ein. Also, bitte auch dieses Heft in die Hand nehmen!

So, jetzt wirklich fast am Ende dieses Editorials: Das Cover dieser Referentin ist bereits, bei der BestOFF der Kunstuni im Oktober dieses Jahres gehängt, siehe Ausstellungsansicht unten. Damit ist hier auch der Verweis auf Radical Collective gemacht bzw. auf ein ABC, mit dem sich die Kunstuni zu Ende ihres 50er-Jubiläumsjahres selbst präsentiert. Bitte wie immer selbst durchs ganze Heft schauen.

Finally nun wirklich der letzte Hinweis auf Hubert Humorlos, und was an Bewältigungsstrategie in einem Leberkäs-Hirn so vorgeht.

Damit grüßen die Referentinnen,
Tanja Brandmayr und Olivia Schütz

 

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  • Published: 7 Monaten ago on 30. November 2023
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  • Last Modified: November 30, 2023 @ 5:17 pm
  • Filed Under: Editorial

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