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<feed xml:lang="de-at" xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom"><title>Die Referentin</title><link href="http://diereferentin.servus.at/" rel="alternate"/><link href="http://diereferentin.servus.at/feed/" rel="self"/><id>http://diereferentin.servus.at/</id><updated>2026-09-19T20:37:51.008176+00:00</updated><entry><title>Das Professionelle Publikum</title><link href="http://diereferentin.servus.at/das-professionelle-publikum-KQRG/" rel="alternate"/><author><name>red</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/das-professionelle-publikum-KQRG/</id><summary type="html">Die Veranstaltungssaison startet wieder! Hier die Tipps von Walentina Kaja Ammann, Kathrina Becker, Stephanie Bergwinkl, Eva M. Dreisiebner, Nicole
&lt;p&gt;Die Veranstaltungssaison startet wieder! Hier die Tipps von Walentina Kaja Ammann, Kathrina Becker, Stephanie Bergwinkl, Eva M. Dreisiebner, Nicole Honeck, Martyna Lorenc (Marty), Theresa Muhl, Kerstin Reyer, Katja Seifert und Franziska Thurner/Franka Katz f&amp;uuml;r diesen Herbst!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/die_referentin_pp_uebersicht_big.jpg" alt="&amp;Uuml;bersicht" width="1044" height="394"&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Die Welle, die nicht endet</title><link href="http://diereferentin.servus.at/die-welle-die-nicht-endet/" rel="alternate"/><author><name>Mar Pilz</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/die-welle-die-nicht-endet/</id><summary type="html">Bald wird auch der Sommer zu Ende gehen und mit ihm die Hitzewellen. Doch eine Welle scheint zu bleiben: die Gewalt gegen Frauen. Es scheint, als befänden
&lt;p&gt;Bald wird auch der Sommer zu Ende gehen und mit ihm die Hitzewellen. Doch eine Welle scheint zu bleiben: die Gewalt gegen Frauen. Es scheint, als bef&amp;auml;nden wir uns mitten in einer Krise, einer Epidemie patriarchaler Gewalt, die Wut, Ohnmacht und das Gef&amp;uuml;hl von Ungerechtigkeit verst&amp;auml;rkt, und manchmal auch den Wunsch, einfach alles hinter sich zu lassen und zu verschwinden.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Laut Daten der Autonomen &amp;Ouml;sterreichischen Frauenh&amp;auml;user (A&amp;Ouml;F) wurden seit Jahresbeginn 15 Femizide registriert. In all diesen F&amp;auml;llen waren die T&amp;auml;ter M&amp;auml;nner aus dem nahen Umfeld der Opfer: Ehem&amp;auml;nner, Freunde, Partner, Ex-Partner, Bekannte und sogar V&amp;auml;ter. Sechs dieser 15 F&amp;auml;lle ereigneten sich in Ober&amp;ouml;sterreich. Dar&amp;uuml;ber hinaus gab es 45 F&amp;auml;lle von Mordversuchen oder potenziell t&amp;ouml;dlicher Gewalt gegen Frauen. Auch hier waren die T&amp;auml;ter M&amp;auml;nner aus dem nahen Umfeld der Betroffenen. Und patriarchale Gewalt kennt kein Alter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir &amp;uuml;ber sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen sprechen, ist es noch schwieriger, ein vollst&amp;auml;ndiges Bild zu bekommen. Viele Betroffene trauen sich nicht, Anzeige zu erstatten &amp;ndash; wegen der enormen emotionalen, psychischen und teilweise k&amp;ouml;rperlichen Belastung eines solchen Verfahrens, aber auch, weil Institutionen und Beh&amp;ouml;rden nicht immer ausreichend auf solche F&amp;auml;lle vorbereitet sind. Das Ergebnis kann eine weitere Form der Gewalt sein, die Reviktimisierung der Betroffenen. Seien wir ehrlich, wie viele F&amp;auml;lle f&amp;uuml;hren tats&amp;auml;chlich dazu, dass der T&amp;auml;ter zur Verantwortung gezogen wird und die Betroffene sich wieder sicher f&amp;uuml;hlen kann? Wie viele Frauen m&amp;uuml;ssen immer wieder erz&amp;auml;hlen, was ihnen passiert ist, sich rechtfertigen und beweisen, dass das, was sie erlebt haben, tats&amp;auml;chlich Gewalt war?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und von den Medien wollen wir gar nicht erst anfangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anstatt &amp;uuml;ber patriarchale Gewalt aufzukl&amp;auml;ren und gesellschaftliches Bewusstsein zu schaffen, reproduzieren Medien viel zu oft &lt;em&gt;Victim Blaming&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Shaming. &lt;/em&gt;Es wird analysiert, was sie getan hat, wo sie war, welche Beziehung sie zum T&amp;auml;ter hatte, warum sie nicht fr&amp;uuml;her gegangen ist oder ihm vertraut hat. Dazu kommen Schlagzeilen, die dem T&amp;auml;ter sprachlich Verantwortung abnehmen. Als w&amp;auml;re es das Opfer, das seine Entscheidungen erkl&amp;auml;ren m&amp;uuml;sste, und nicht der T&amp;auml;ter, der f&amp;uuml;r seine eigenen Taten zur Verantwortung gezogen werden sollte. Wie Gis&amp;egrave;le Pelicot es sagte: &amp;bdquo;Die Scham muss die Seite wechseln.&amp;ldquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wie soll das gelingen, wenn diejenigen, die Nachrichten schreiben und &amp;uuml;ber ihre Ver&amp;ouml;ffentlichung entscheiden, allzu oft keine Geschlechterperspektive einnehmen? Wie soll die Scham die Seite wechseln, wenn wir weiterhin durch eine patriarchale Brille &amp;uuml;ber Gewalt berichten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl patriarchale Gewalt kein neues Problem ist, frage ich mich jeden Tag aufs Neue, was k&amp;ouml;nnen wir gegen diese Epidemie der Gewalt tun, die &amp;uuml;berwiegend von M&amp;auml;nnern ausge&amp;uuml;bt wird? Wie k&amp;ouml;nnen M&amp;auml;nner lernen, sich mit ihren emotionalen und psychischen Problemen auseinanderzusetzen, bevor ihre Wut in Gewalt umschl&amp;auml;gt? Wie k&amp;ouml;nnen wir als Gesellschaft begreifen, dass Gewalt uns alle etwas angeht und wir bei Gewalt und Missbrauch nicht l&amp;auml;nger passive Beobachter*innen bleiben d&amp;uuml;rfen? Und auch: wie kann der Staat Beh&amp;ouml;rden besser darauf vorbereiten, Anzeigen wegen Gewalt ernst zu nehmen, ohne den Betroffenen mit Vorurteilen zu begegnen, sie aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Akzents zu diskriminieren und gleichzeitig in das bequeme Stereotyp zu verfallen, gewaltt&amp;auml;tige M&amp;auml;nner seien etwa immer bestimmte Gruppen, wie etwa &amp;bdquo;die Migranten&amp;ldquo;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, es gibt Programme und Projekte. Aber sie reichen nicht aus. Die registrierten F&amp;auml;lle zeigen das.&lt;br&gt;Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir noch immer Schwierigkeiten haben, mit unseren Emotionen und Gef&amp;uuml;hlen umzugehen. Grenzen und Respekt scheinen an Bedeutung zu verlieren. Wenn ein Mensch nicht damit umgehen kann, zur&amp;uuml;ckgewiesen zu werden, ein &amp;bdquo;Nein&amp;ldquo; zu h&amp;ouml;ren oder die Kontrolle &amp;uuml;ber einen anderen Menschen zu verlieren, kann sich diese Unf&amp;auml;higkeit in Wut verwandeln, und im &amp;auml;u&amp;szlig;ersten Fall in t&amp;ouml;dliche Gewalt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn wir uns die vermeintlichen &amp;bdquo;Gr&amp;uuml;nde&amp;ldquo; ansehen, die manche T&amp;auml;ter f&amp;uuml;r ihre Taten genannt haben, sto&amp;szlig;en wir auf etwas Absurdes: Wir sto&amp;szlig;en auf die Unf&amp;auml;higkeit, eine Zur&amp;uuml;ckweisung, eine Trennung, ein &amp;bdquo;Nein&amp;ldquo;, oder schlicht die Tatsache zu akzeptieren, dass ein anderer Mensch das Recht hat, &amp;uuml;ber sein eigenes Leben zu bestimmen. Das d&amp;uuml;rfte kein Grund sein, deswegen einem anderen Menschen Gewalt anzutun oder gar das Leben zu nehmen. Vielmehr ginge es bereits lange im Vorfeld darum, Therapie zu suchen oder zu lernen, &amp;uuml;ber Emotionen und Gef&amp;uuml;hle zu sprechen um mit Frustration umzugehen. Von klein auf muss vermittelt werden, dass Liebe nicht bedeutet, einen Menschen zu besitzen. Dass eine Partnerin kein Eigentum ist. Und dass ein &amp;bdquo;Nein&amp;ldquo; weder eine Provokation noch eine Dem&amp;uuml;tigung ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Welle patriarchaler Gewalt wird uns wahrscheinlich noch viel l&amp;auml;nger begleiten, als sie sollte. Es werden weitere Hitzewellen kommen. Weitere Wellen der Begeisterung f&amp;uuml;r Fu&amp;szlig;ball oder irgendeinen anderen Sport. Sie werden kommen und wieder gehen. Aber vielleicht sollten wir uns fragen, was passieren w&amp;uuml;rde, wenn ein Teil der Millionen, die wir in Werbung, Unterhaltung und in Spiele aller Art investieren, auch in psychische Gesundheit, Pr&amp;auml;vention, Bildung, politische Ma&amp;szlig;nahmen und Projekte mit Geschlechterperspektive flie&amp;szlig;en w&amp;uuml;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht k&amp;ouml;nnten wir dann irgendwann anfangen, &amp;uuml;ber eine andere Welle zu sprechen, eine, die uns nicht l&amp;auml;nger dazu zwingt, ermordete Frauen zu z&amp;auml;hlen.&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Der brave Hašek  und die PFGFIDSDG</title><link href="http://diereferentin.servus.at/der-brave-hasek-und-die-pfgfidsdg/" rel="alternate"/><author><name>Andreas Gautsch</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/der-brave-hasek-und-die-pfgfidsdg/</id><summary type="html">Die Referentin bringt seit längerer Zeit eine Reihe über den Anarchismus als eine der ersten sozialen Bewegungen und als Ausdruck vergangener
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Referentin&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt; bringt seit l&amp;auml;ngerer Zeit eine Reihe &amp;uuml;ber den Anarchismus als eine der ersten sozialen Bewegungen und als Ausdruck vergangener wie aktueller k&amp;auml;mpferischer emanzipatorischer Entwicklungen. Dieses Mal schreibt Andreas Gautsch &amp;uuml;ber Jarsolav Ha&amp;scaron;ek und den Anarchismus in Tschechien.&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/detail_of_memorial_of_jaroslav_has%CC%8Cek_in_lipnice_nad_sa%CC%81zavou%2C_havli%CC%81c%CC%8Cku%CC%8Av_brod_district_medium.jpg" alt="Denkmal" width="684" height="436"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Detail des Denkmals Jaroslav Ha&amp;scaron;ek in Lipnice nad S&amp;aacute;zavou. &amp;copy; Jiř&amp;iacute; Sedl&amp;aacute;ček, CC BY-SA 4.0&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fernsehserie &amp;bdquo;Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk&amp;ldquo; war in den 1970er Jahren Kult. Fritz Muliar als schrulliger Schwejk, b&amp;ouml;h&amp;shy;makelte und mimte den listig naiven Antikriegshelden, der so gar nicht bereit war sein Leben f&amp;uuml;r Gott, Kaiser und Vaterland aufzugeben.&lt;br&gt;Bei dem Buch, oder besser gesagt den B&amp;uuml;chern zu dieser Serie handelt es sich um einen Weltbestseller, der in &amp;uuml;ber 56 Sprachen &amp;uuml;bersetzt wurde. Der Autor ist hierzulande kaum mehr bekannt. Sein Name ist Jarsolav Ha&amp;scaron;ek. Seine Verbindung zum tschechischen Anarchismus wahrscheinlich noch weniger, auch wenn es mit &amp;bdquo;Biere Tiere Anarchie&amp;ldquo; von Rolf Cantzen und Bodo Dringenberg ein sehr gelungenes Portr&amp;auml;t gibt. Hinzu kommt, dass der tschechische Anarchismus in den Jahren 1880 bis 1920 mehr war als eine Fu&amp;szlig;note in der Geschichte der Arbeiter:innen- und Jugendbewegung. Dies belegen die unz&amp;auml;hligen Beitr&amp;auml;ge des 2022 verstorbenen Anarchismusforschers, Dichters und bildenden K&amp;uuml;nstlers V&amp;aacute;clav Tomek.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Die Anf&amp;auml;nge des Anarchismus in Tschechien&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Die beiden Kronl&amp;auml;nder, das K&amp;ouml;nigreich B&amp;ouml;hmen und die Marktgrafschaft M&amp;auml;hren, waren nach der Bildung der Doppelmonarchie 1867, dem &amp;ouml;sterreichischen Gebietsteil oder Cisleithanien, wie dieser auch genannt wurde, zu- bzw. untergeordnet. Einen Ausgleich, wie mit Ungarn, gab es mit B&amp;ouml;hmen und M&amp;auml;hren nicht. Die Frage nach der kulturellen Eigenst&amp;auml;ndigkeit und nationalen Unabh&amp;auml;ngigkeit stand in Tschechien von b&amp;uuml;rgerlicher Seite an der Tagesordnung. Dem Internationalismus der Arbeiter:innenbewegung, und dass diese permanent die soziale Frage in den Vordergrund stellte, konnte sie wenig abgewinnen. Vier Jahre nach dem sogenannten Einigkeitsparteitag der &amp;ouml;sterreichischen Sozialdemokratie 1878 in Hainfeld, kam es zur Gr&amp;uuml;ndung der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Českoslovansk&amp;aacute; soci&amp;aacute;ně demokratick&amp;aacute; strana dělinck&amp;aacute;). Diese sah den &amp;bdquo;Befreiungskampf der Arbeiterklasse&amp;ldquo; als eine soziale und nicht als nationale Aufgabe &lt;em&gt;(Tomek 1992: 98).&lt;/em&gt; Jedoch kam es, &amp;auml;hnlich wie in &amp;Ouml;sterreich, auch in Tschechien in den 1880er-Jahren innerhalb der organisierten Arbeiter:innenschaft zur Bildung von oppositionellen Gruppierungen. Unzufrieden mit der Parteif&amp;uuml;hrung, dem Funktion&amp;auml;rswesen und dem reformistischen Taktieren, wandten sich diese verst&amp;auml;rkt dem Anarchismus zu. Es verbanden sich zwei unterschiedliche Milieus. Die Arbeiter:innen der alten Str&amp;ouml;mung der &amp;bdquo;Radikalen&amp;ldquo; (im Gegensatz zu den Gem&amp;auml;&amp;szlig;igten), die mit dieser Sozialdemokratie wenig anzufangen wussten, schlossen sich mit einer neuen Generation von Jungen und Intellektuellen zusammen, die &amp;bdquo;Omladina&amp;ldquo; (Jugend) bezeichnet wurde. Herauskam die &amp;bdquo;Bewegung der unabh&amp;auml;ngigen Sozialisten&amp;ldquo;. Hinzu kamen Personen, die sich ebenfalls von der Sozialdemokratie abwandten, wie der ehemalige gem&amp;auml;&amp;szlig;igte Sozialdemokrat Vil&amp;eacute;m K&amp;ouml;rber, der einen ethischen Anarchismus propagierte. K&amp;ouml;rber gr&amp;uuml;ndete 1892 die anarchistische Zeitschrift &amp;bdquo;Nov&amp;yacute; věk svobody&amp;ldquo; (&amp;bdquo;Neues Zeitalter der Freiheit&amp;ldquo;), die als Organ der unabh&amp;auml;ngigen Sozialisten betrachtet werden kann. Er verfasste eine Brosch&amp;uuml;re, in der er seine Vorstellung des ethischen Anarchismus pr&amp;auml;zisierte. &amp;bdquo;Die pers&amp;ouml;nliche Freiheit, der freie Wille, dass man es gut haben m&amp;ouml;chte, dass f&amp;uuml;r uns genug Platz, genug Ernte, Nahrung auf der Welt ist, dass es nicht n&amp;ouml;tig ist, Hunger und Elend zu ertragen, dies begreift auch der am wenigsten Nachdenkende.&amp;ldquo; &lt;em&gt;(Tomek 1998: 17). &lt;/em&gt;F&amp;uuml;r K&amp;ouml;rber und andere Anarchist:innen ging es um individuelle Freiheit und Unabh&amp;auml;ngigkeit, und nicht um eine nationale Befreiung der B&amp;ouml;hmen oder der M&amp;auml;hren. Dort, wo der b&amp;uuml;rgerliche Liberalismus wie ein scheuendes Pferd stehen bleibt, beginnt die anarchistische Forderung: Die Hinterfragung und den Abbau von Machtpositionen und Privilegien innerhalb der Gesellschaft &amp;ndash; zugunsten einer universellen Befreiung ohne nationale oder staatliche Autorit&amp;auml;ten und ohne Zentralismus &lt;em&gt;(vgl. Tomek 1998: 24). &lt;/em&gt;Ebenfalls vom Individualismus gepr&amp;auml;gt, war die bereits erw&amp;auml;hnte Bewegung der &amp;bdquo;Omladina&amp;ldquo;, die als staatsgef&amp;auml;hrdende Geheimgesellschaft mas&amp;shy;siv beh&amp;ouml;rdlich verfolgt wurde. Im September 1893 wurde in Prag der Ausnahmezustand ausgerufen, mehrere Aktivist:innen wurden verhaftet und vor ein Sondergericht gestellt. Vorgeworfen wurde ihnen die Verletzung der &amp;ouml;ffentlichen Ordnung, die Bildung eines Geheimbundes und die St&amp;ouml;rung des &amp;ouml;ffentlichen Friedens.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Das Manifest und die Arbeitsk&amp;auml;mpfe der Bergarbeiter&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;zu organisieren. So fand am 5. April 1896 im b&amp;ouml;hmischen Ort Hnidousy eine anarchistische Konferenz statt, die, nachdem sie von der Polizei gest&amp;uuml;rmt wurde, in einem nahegelegenen Wald fortgesetzt wurde. Dort wurde das Manifest der tschechischen Anarchisten, verfasst von Antonin Pravoslav Kalina, pr&amp;auml;sentiert und diskutiert. F&amp;uuml;r heutige Ohren ungew&amp;ouml;hnlich ist die skeptische Haltung gegen&amp;uuml;ber der Erringung von politischen Rechten, da sie &amp;bdquo;nichts anderes als ein Sicherheitsventil&amp;ldquo; seien, mit dessen Hilfe &amp;bdquo;die Inhaber der wirtschaftlichen Macht die Unzufriedenheit der Massen mit ihrer ungerechten Ausbeutungswirtschaft korrigieren.&amp;ldquo; &lt;em&gt;(Tomek, 1998: 46). &lt;/em&gt;Misstrauisch war man auch gegen&amp;uuml;ber der Sozialdemokratie, da die &amp;bdquo;Idee des sozialistischen kollektivistischen Staates&amp;ldquo; &lt;em&gt;(ebd. 47) &lt;/em&gt;zu einer erneuten Abh&amp;auml;ngigkeit f&amp;uuml;hren w&amp;uuml;rde. Angesichts der Erfahrungen aus dem sogenannten Realsozialismus und dem realen Kapitalismus sind diese Bef&amp;uuml;rchtung gerechtfertigt.&lt;br&gt;Die drei Grunds&amp;auml;tze des Manifest sind die Negierung von Privateigentum an Naturg&amp;uuml;tern und Produktionsmitteln, die Negierung von Staat und Regierung und die Erziehung des Proletariats, da die geistige Revolution als Bedingung f&amp;uuml;r die materielle Revolution betrachtet wird &lt;em&gt;(vgl. Tomek, 1998: 51). &lt;/em&gt;Im Wald wurde jedoch nicht nur diskutiert, sondern es wurde auch der Generalstreik der Kohlengr&amp;auml;ber f&amp;uuml;r den 1. Oktober 1896 beschlossen. Es wurde ebenfalls beschlossen, dass Milit&amp;auml;rpflichtige den Waffendienst zu verweigern haben. Der Streik unter den Kohlengr&amp;auml;bern fand tats&amp;auml;chlich statt, mit f&amp;uuml;r heute ungew&amp;ouml;hnlicher Sch&amp;auml;rfe. &amp;bdquo;Die Sch&amp;auml;chte wurden demoliert, Revolversch&amp;uuml;sse auf die provokatorisch auftretende Gendarmerie abgegeben. Die Regierung sandte milit&amp;auml;rische Verst&amp;auml;rkung nach dem Streikgebiet, und die Sozialdemokraten sprangen ihr dadurch hilfreich zu, dass sie ganz ostentativ Front gegen die &amp;sbquo;Gewaltaktionen&amp;lsquo; derselben verurteilten.&amp;ldquo;&lt;em&gt; (F. G. 1907: 108). &lt;/em&gt;Unter den tschechischen Grubenarbeitern waren Arbeitsk&amp;auml;mpfe weit verbreitet. Zu Jahresbeginn 1901 kam es ebenfalls zu einem Streikversuch. In Flugbl&amp;auml;ttern wurde aufgerufen, ab dem 2. J&amp;auml;nner nur mehr 8 Stunden zu arbeiten. Doch konnte auch hier die Polizei durch ihr Eingreifen diese frevelhafte Anma&amp;szlig;ung eines 8-Stundentags unterbinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/czech-writer-jaroslav-hasek-in-prague-1921_cc_f_unbekannt02_medium.jpg" alt="Hasek" width="536" height="742"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Jaroslav Ha&amp;scaron;ek, 1921. &amp;copy; Fotograf unbekannt&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;F&amp;uuml;r den gem&amp;auml;&amp;szlig;igten Fortschritt&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Streikende Arbeiter:innen, rebellierende Jugend, in diesem Umfeld bewegte sich auch Jaroslav Ha&amp;scaron;ek. Er zog als junger Mann durch die Lande, lernte als mittelloser Landstreicher unterschiedliche Haftanstalten kennen &amp;ndash; und was die bayrische betraf, aufgrund der reichliche Verk&amp;ouml;stigung auch zu sch&amp;auml;tzen. Er schrieb f&amp;uuml;r anarchistische Zeitschriften, wie die &amp;bdquo;Omladina&amp;ldquo;, die &amp;bdquo;Komuna&amp;ldquo; (Die Kommune) oder auch den Chud&amp;rsquo;as (arme Schlucker). 1903 arbeitete er unter Tag in einem nordb&amp;ouml;hmischen Braunkohlervier und agitierte unter den Braunkohlearbeitern. Er verarbeitete diese Zeit in seiner Erz&amp;auml;hlung &amp;bdquo;Die Grubenkatastrophe&amp;ldquo;. Eine anstehende Heirat lie&amp;szlig; ihn schlie&amp;szlig;lich einen seri&amp;ouml;sen Weg einschlagen und er beendete seine anarchistischen Aktivit&amp;auml;ten. 1910 &amp;uuml;bernahm der die Redaktion der Zeitschrift &amp;bdquo;Welt der Tiere&amp;ldquo; &lt;em&gt;(Svět zv&amp;iacute;řat). &lt;/em&gt;Um diese T&amp;auml;tigkeit etwas interessanter zu gestalten, erfand er kurzerhand neue Tierarten. Die Fachwelt war begeistert, die Leser:innen gut unterhalten. Ein Jahr darauf stieg er in gewissem Sinne in die Politik ein. Er gr&amp;uuml;ndete die &amp;bdquo;Partei f&amp;uuml;r gem&amp;auml;&amp;szlig;igten Fortschritt in den Schranken der Gesetze&amp;ldquo; (PFGFIDSDG), &lt;em&gt;(Strana m&amp;iacute;rn&amp;eacute;ho pokroku v mez&amp;iacute;ch z&amp;aacute;kona (SMPVMZ). &lt;/em&gt;Als Parteizentrale diente die Prager Gastst&amp;auml;tte &amp;bdquo;Kuhstall&amp;ldquo;, auch seine Wahlreden hielt er in verschiedenen Gasth&amp;auml;usern ab und warb dort, ganz zum Gaudium des Publikums, um die Gunst: &amp;bdquo;W&amp;auml;hler, was Ihr von Wien erhofft, bekommt Ihr auch von mir!&amp;ldquo; &amp;ndash; &amp;bdquo;W&amp;auml;hler, protestiert mit Euren Stimmzetteln gegen das Erdbeben in Mexico!&amp;ldquo; &amp;ndash; &amp;bdquo;Jeder unserer W&amp;auml;hler bekommt ein kleines Taschenaquarium.&amp;ldquo; So lauteten die vielversprechenden Slogans. Leider zog Ha&amp;scaron;ek mit seiner Satirepartei weder in den Landtag, noch in den Gemeinderat ein.&lt;br&gt;Doch nicht nur Ha&amp;scaron;ek zog es in die Politik, auch die anarchistische Bewegung diskutierte im April 1914 auf einem weiteren Kongress sehr kontrovers die Gr&amp;uuml;ndung einer anarchistischen Partei. Diese sollte auf Basis der direkten Aktion den wirtschaftlichen Generalstreik anstreben und sich f&amp;uuml;r den Antimilitarismus einsetzen &lt;em&gt;(Tomek 1992: 121).&lt;/em&gt;&lt;br&gt;Der erste Weltkrieg beendete vorerst diese Debatte &amp;ndash; Generalstreik und Antimilitarismus r&amp;uuml;ckten in weite Ferne, auch f&amp;uuml;r Ha&amp;scaron;ek. Dieser wurde im Februar 1915 in die K&amp;amp;K Uniform gesteckt, geriet jedoch bereits im September in russische Kriegsgefangenschaft. Daraufhin wechselte er mehrfach die Fronten und Lager. Zun&amp;auml;chst schloss er sich der Tschechoslowakischen Legion an und k&amp;auml;mpfte mit dieser gegen das Habsburgerreich, desertierte und wechselte 1918 zur roten Arme. Seine Erfahrungen als Soldat d&amp;uuml;rften eine gute Grundlage f&amp;uuml;r seine Abenteuer des Soldaten Schwejk gebildet haben. Diese ver&amp;ouml;ffentlichte er 1920 in einzelnen Heften als Fortsetzungsgeschichte. Die gro&amp;szlig;e Popularit&amp;auml;t des Schwejks verschaffte ihm (erstmalig) eine existenzielle Absicherung, die er jedoch nicht lange genie&amp;szlig;en konnte. Sein jahrelanger &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;iger Alkoholkonsum hatte seinen Preis. Ha&amp;scaron;ek verstarb 1923 in seinem vierzigsten Lebensjahr. Und der Anarchismus? Der verstarb in Tschechien ebenfalls. Der Wiener Anarchismusforscher Max Nettlau formuliert es in seiner umfangreichen Geschichte des Anarchismus folgenderma&amp;szlig;en:&lt;br&gt;&amp;bdquo;Von der einstmals bl&amp;uuml;henden syndikalistischen Bewegung in Nordb&amp;ouml;hmen ist keine Spur mehr vorhanden. Sie ist mit Sack und Pack vom Bolschewismus verschlungen worden, nachdem ihre F&amp;uuml;hrer sich von diesem umgarnen lie&amp;szlig;en&amp;ldquo; &lt;em&gt;(Nettlau 1984: 285).&amp;nbsp; &lt;/em&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Literatur:&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Rolf Cantzen und Bodo Dringenberg: &lt;/em&gt;Biere Tiere Anarchie. Jarsolav Ha&amp;scaron;ek &amp;ndash; mehr als Schwejk,&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Launenweber, K&amp;ouml;ln, 2018&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Max Nettlau: &lt;/em&gt;Geschichte des Anarchismus,&lt;em&gt; Band V, 1984&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;V&amp;aacute;clav Tomek: &lt;/em&gt;Tschechischer Anarchismus um die Jahrhundertwende in: Archiv f&amp;uuml;r die Geschichte des Widerstands und der Arbeit.&lt;em&gt; Nr. 12., Fernwald: Germinal Verlag, 1992&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;V&amp;aacute;clav Tomek: &lt;/em&gt;Die Freiheit sehen wir in der Anarchie, Zum Manifest der tschechischen Anarchisten&lt;em&gt; 1896, Edition Wilde Mischung, Verlag Monte Verita, Wien, 1998&lt;/em&gt;&lt;br&gt;Die Anarchistische Bewegung in Wien, &lt;em&gt;in: &lt;/em&gt;Die Freie Generation Dokumente zur Weltanschauung des Anarchismus.&lt;em&gt; Oktober 1907, Band 2, Heft 4&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Die Anarchismus-Textreihe in der &lt;/em&gt;Referentin&lt;em&gt; widmet sich dem Anarchismus als eine der ersten sozialen Bewegungen &amp;uuml;berhaupt, zeichnet Portr&amp;auml;ts &amp;uuml;ber fr&amp;uuml;he Anarchist:innen, skizziert gesellschaftliche Utopien oder benennt aktuelle Tendenzen im anarchistischen Denken und seiner Praxis. Die Serie ist auf Anregung von Andreas Gautsch, bzw. der Gruppe &lt;/em&gt;Anarchismusforschung&lt;em&gt; entstanden, die ebenso Themen und Autor:innen der Reihe betreut. Siehe auch: &lt;a href="https://anarchismusforschung.org" target="_blank" rel="noopener"&gt;anarchismusforschung.org&lt;/a&gt;.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Alle Texte der Serie auch &amp;uuml;ber die Webseite der&amp;nbsp;&lt;/em&gt;Referentin &lt;em&gt;abrufbar. &amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Andersens  Brieffreundin</title><link href="http://diereferentin.servus.at/andersens-brieffreundin/" rel="alternate"/><author><name>Silvana Steinbacher</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/andersens-brieffreundin/</id><summary type="html">Der Roman Die Liste der Lebenden besteht ausschließlich aus Briefen zweier Personen: Hans Christian Andersen und Henriette Wulff. Die weitgereiste Dänin Wulff
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Der Roman &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Die Liste der Lebenden &lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;besteht ausschlie&amp;szlig;lich aus Briefen zweier Personen: Hans Christian Andersen und Henriette Wulff. Die weitgereiste D&amp;auml;nin Wulff faszinierte den Schriftsteller Stefan Kutzen&amp;shy;berger sofort. Silvana Steinbacher &amp;uuml;ber ein Buch, das um die Fakten einer Freundschaft einen fiktiven Briefroman baut.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;bdquo;Da bin ich nun, mein lieber Andersen, blicke um mich und wei&amp;szlig; nicht, wer ich war.&amp;ldquo; So beginnt Stefan Kutzenbergers neuer Roman &lt;em&gt;Die Liste der Lebenden.&lt;/em&gt; Ich habe eine Vorliebe daf&amp;uuml;r, wie Autorinnen und Autoren ihre Text beginnen. Bei diesem Einstieg m&amp;ouml;chte ich weiterlesen. Henriette Wulff schreibt diesen Satz an den ber&amp;uuml;hmten d&amp;auml;nischen Schriftsteller Hans Christian Andersen. Wulff hat es tats&amp;auml;chlich gegeben, und die sehr enge Freundschaft zwischen den beiden auch. Sogar die rege Korrespondenz ist &amp;uuml;berliefert. Stefan Kutzenbergers Briefe dagegen sind Fiktion.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zun&amp;auml;chst die Fakten, auf denen Kutzenberger seinen Roman aufbaut: Hans Christian Andersen ist 1805 in Kopenhagen geboren und bis heute unter anderem durch M&amp;auml;rchen wie etwa &lt;em&gt;Die kleine Meerjungfrau&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Das h&amp;auml;ssliche Entlein &lt;/em&gt;weltber&amp;uuml;hmt. Kaum jemand aber kennt Henriette Wulff. Henriette Wulff, die als Zeitgenossin Andersens ein Leben lang mit ihm korrespondierte, lebte von 1804 bis 1858. Sie war die Tochter des d&amp;auml;nischen Marineoffiziers und Schriftstellers Peter Frederick Wulff. Die gebildete, weitgereiste Frau verkehrte in den angesehenen literarischen Kreisen Kopenhagens. Henriette Wulff, von Andersen zwar Jette genannt, aber f&amp;ouml;rmlich gesiezt, ist seine engste Vertraute, intellektuelle Gespr&amp;auml;chspartnerin und Brieffreundin. Eine schicksalshafte Entscheidung besiegelte wenig sp&amp;auml;ter auch das Ende ihres Lebens, denn sie beschlie&amp;szlig;t mit 53 Jahren, das streng etikettierte enge Gesellschaftsleben hinter sich zu lassen und ihrer Heimat den R&amp;uuml;cken zu kehren, um nach Amerika auszuwandern. F&amp;uuml;r damalige Verh&amp;auml;ltnisse war das nicht nur eine mutige, sondern auch ungew&amp;ouml;hnliche Entscheidung. Sie geht also an Bord des Dampfschiffes Austria. Am 13. September 1858 geriet das Schiff im Atlantischen Ozean in Brand und sank. Wulff geh&amp;ouml;rte zu den hunderten Menschen, die bei diesem Ungl&amp;uuml;ck ihr Leben verloren.&amp;nbsp;&lt;br&gt;Diese historischen &amp;Uuml;berlieferungen bzw. die&amp;shy;se biographischen Rahmensetzungen dienen Stefan Kutzenberger als Basis f&amp;uuml;r seinen Briefroman. Als ich das Buch aufschlage, frage ich mich, welche &amp;Uuml;berlegungen der Autor angestellt haben k&amp;ouml;nnte, bevor er sich f&amp;uuml;r diese Form der Erz&amp;auml;hlung entschieden hat. Ein langer Weg sei es gewesen, erinnert sich Stefan Kutzenberger, und erst nach dreij&amp;auml;hriger Recherche habe er als Form f&amp;uuml;r sein Projekt fiktive Briefe zwischen den beiden gew&amp;auml;hlt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem die Nachricht &amp;uuml;ber den Brand des Schiffs in den Medien berichtet wurde, sitzt Andersen zu Hause. Er wartet sehns&amp;uuml;chtig auf die Zeitung, die ihm sein Freund Colin &amp;uuml;berbringt, denn diese enth&amp;auml;lt die Liste der (&amp;Uuml;ber-)Lebenden. Colin teilt ihm mit, dass von den vier Personen an Bord, die Andersen kennt, zwei &amp;uuml;berlebt haben. Andersen ersehnt zwar Gewissheit, hat aber nicht den Mut, in der Liste zu kontrollieren, um wen es sich bei diesen beiden Personen handelt. Stattdessen stellt er rechnerische &amp;Uuml;berlegungen an, wer von den vier ihm bekannten Menschen an Bord &amp;uuml;berlebt haben k&amp;ouml;nnte. Zitat: &amp;bdquo;Meine Gedanken rasen, es sind aber nicht die Ausschweifungen der Fantasie, wie sonst, sondern mathematische Probleme, wie ich sie seit der Schulzeit nicht mehr gew&amp;auml;lzt habe. Zwei. Wenn zwei &amp;uuml;berleben und zwei nicht, gibt es bei vier Menschen folgende M&amp;ouml;glichkeiten. Ich krame nach einem Blatt Papier, schnappe mir einen Griffel und schreibe sechs Zeilen.&amp;ldquo; Diese Ungewissheit erm&amp;ouml;glicht es Andersen weiterhin Briefe an seine geliebte Jette zu schreiben. Jette konnte sich bei diesem Brand aufs Meer retten und treibt auf einer im Wasser liegenden T&amp;uuml;r, wissend, dass dieser Zustand sp&amp;auml;testens mit Einbruch der Dunkelheit sein Ende finden w&amp;uuml;rde. Sie verfasst sogenannte Gedankenbriefe an ihren lieben Freund.&amp;nbsp;&lt;br&gt;Stefan Kutzenberger l&amp;auml;sst die Emotionalit&amp;auml;t in diesen Briefen beidseitig hochschnellen. Beide bieten in ihren Briefen, die die Empf&amp;auml;nger auch hier nat&amp;uuml;rlich nicht erreichen, dem Angesprochenen das Du-Wort an, was in der damaligen h&amp;ouml;heren Gesellschaft, in der sich mittlerweile auch Andersen bewegte, alles andere als selbstverst&amp;auml;ndlich war.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wodurch ist Stefan Kutzenberger mit dieser Thematik in Verbindung gekommen? Der Autor erz&amp;auml;hlt mir, dass er im Wiener Leopoldmuseum eine Ausstellung zu Schriftstellerportraits kuratiert hat und eines dieser Portraits war Hans Christian Andersen gewidmet. Innerhalb dieses Portraits wurde in einem Nebensatz Henriette Wulff erw&amp;auml;hnt. Und Kutzenberger wurde neugierig, recherchierte, fand aber keinerlei Material &amp;uuml;ber Wulff. Sie war die am weitesten gereiste D&amp;auml;nin ihrer Generation, allerdings musste sie sich auch nie um ihre finanzielle Sicherheit Gedanken machen. Als sie die Austria bestieg, wollte sie das verzopfte Europa hinter sich lassen und in Amerika f&amp;uuml;r die Befreiung der Sklaven k&amp;auml;mpfen. Wulff faszinierte Kutzenberger sofort und er wusste im selben Moment: Das wird mein n&amp;auml;chstes Buch.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stefan Kutzenberger ist 1971 in Linz geboren und lebt jetzt in Wien. Als Schriftsteller hat er bereits mit seinen fr&amp;uuml;heren Romanen &lt;em&gt;Friedinger, Jokerman&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Kilometer Null &lt;/em&gt;Aufsehen erregt. Diese drei B&amp;uuml;cher sind handlungsreicher und spannungsgeladener als &lt;em&gt;Die Liste der Lebenden. &lt;/em&gt;Kutzenberger zeigt eine Vorliebe daf&amp;uuml;r, Fiktion und Realit&amp;auml;t in seinen Romanen zu verquicken.&lt;br&gt;Seine bisherige Biografie zeichnet sich durch Vielfalt aus: Er studierte klassische Gitarre und Fagott am Brucknerkonservatorium und Sozialwirtschaft in Linz und danach in Wien Vergleichende Literaturwissenschaft und Spanisch. Seit beinah 30 Jahren ist er Lehrbeauftragter an der Universit&amp;auml;t Wien.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur&amp;uuml;ck zu den vier Personen an Bord, die auch Andersens Leben gekreuzt haben. Es sind neben Jette der j&amp;uuml;dische Freiheitsk&amp;auml;mpfer Alexander Friedl&amp;auml;nder, der Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker Theodore Eisfeld und die Wiener G&amp;auml;rtnerin Johanna Stirba. Eisfeld ist Jettes Tischnachbar, der sie nervt und langweilt, und Johanna Stirba, genannt Hansi spielt eine besondere Rolle f&amp;uuml;r beide. Sie er&amp;ouml;ffnet Jette eine v&amp;ouml;llig neue, erfrischende Welt. Die ehemalige Prostituierte &amp;uuml;berrascht Jette mit ihrer Nat&amp;uuml;rlichkeit, und die beiden Frauen verstehen sich trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft sehr gut. Ich nehme an, Stefan Kutzenberger baute diese sympathisch gezeichnete Figur auch deshalb ein, um die Lesenden mit einer anderen Welt und Realit&amp;auml;t dieser Zeit zu konfrontieren. Zitat Henriette Wulff, in ihrem Brief an Andersen: &amp;bdquo;Es war mir unangenehm zuzugeben, dass ich mir mein Leben lang nie Sorgen um Geld hatte machen m&amp;uuml;ssen und nicht daran gedacht hatte, dass die Zwischendeckpassagiere erst Arbeit suchen mussten, bevor sie ihr neues Leben beginnen konnten.&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;br&gt;Andersen wiederum hatte eine g&amp;auml;nzlich andere Verbindung zu Hansi. Der ber&amp;uuml;hmte M&amp;auml;rchenautor ist in Kutzenbergers Buch der Meinung, seine literarische Kraft w&amp;uuml;rde versiegen, wenn er seine sexuelle Unschuld verl&amp;ouml;re. Hansi ist seine erste und einzige erotische Begegnung, und diese Frau, die ihm diese Begegnung unkompliziert und unverkrampft gestaltet, geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Kapit&amp;auml;n Heydtmann hingegen ist Henriettes einziger Liebhaber. Auf der T&amp;uuml;r im Meer treibend erz&amp;auml;hlt sie Andersen in ihren Gedankenbriefen von diesen, ihren letzten N&amp;auml;chten.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Warum wissen wir heute so wenig &amp;uuml;ber dieses gro&amp;szlig;e Schiffsungl&amp;uuml;ck im Jahr 1858, bei dem hunderte Menschen gestorben sind? Zu vermuten bleibt, dass es durch den Untergang der Titanic mit 1500 Toten rund f&amp;uuml;nfundsechzig Jahre sp&amp;auml;ter in den Hintergrund der allgemeinen Aufmerksamkeit geriet.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Roman &lt;em&gt;Die Liste der Lebenden&lt;/em&gt; besteht ausschlie&amp;szlig;lich aus Briefen, und zwar ausschlie&amp;szlig;lich zwischen zwei Personen: Hans Christian Andersen und Henriette Wulff. Briefromane sind in der Literatur eine beliebte Gattung. Kutzenberger sch&amp;auml;tzt es, zweimal aus einer anderen Ich-Perspektive schreiben zu k&amp;ouml;nnen. Manchmal ergibt sich so die M&amp;ouml;glichkeit, aus zwei Blickwinkeln &amp;uuml;ber ein und dieselbe Thematik zu berichten, meint er. Einig sind sich die beiden in ihren letzten Briefen, die den anderen nicht mehr erreichen, dass sie mehr verbindet als die schwesterliche Beziehung, wie sie Andersen fast verd&amp;auml;chtig oft bezeichnete. Und so ist dieser Roman auch eine Liebesgeschichte, die sich aber nicht erf&amp;uuml;llte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/die_liste_der_lebenden_cover_small.jpg" alt="Die Liste der Lebenden" width="114" height="181"&gt;&lt;br&gt;Stefan Kutzenberger, &lt;/em&gt;Die Liste der Lebenden,&amp;nbsp;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Picus Verlag 2026&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://www.picus.at/produkt/die-liste-der-lebenden" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;www.picus.at/produkt/die-liste-der-lebenden&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Lesung: Stefan Kutzenberger, &lt;/em&gt;Die Liste der Lebenden&lt;br&gt;&lt;em&gt;Do, 12. November 2026, 18:30 h,&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Schloss Puchberg Wels&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Die kleine Referentin</title><link href="http://diereferentin.servus.at/die-kleine-referentin-TN9K/" rel="alternate"/><author><name>Terri Frühling</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/die-kleine-referentin-TN9K/</id><summary type="html">
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/druck_referentin%2345_big.jpg" alt="Kleine Referentin" width="1042" height="1339"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&amp;copy; Terri Fr&amp;uuml;hling&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Mehr Zuhause als Zuhause</title><link href="http://diereferentin.servus.at/mehr-zuhause-als-zuhause/" rel="alternate"/><author><name>Christian Wellmann</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/mehr-zuhause-als-zuhause/</id><summary type="html">Im November wird die dritte Ausgabe des Cinéma Africain!-Festivals in Linz von der Leinwand flimmern, ergänzt um Talkformate und Nightline. Christian Wellmann hat bei der Festival-Alles-
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Im November wird die dritte Ausgabe des &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Cin&amp;eacute;ma Africain!-&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Festivals in Linz von der Leinwand flimmern, erg&amp;auml;nzt um Talkformate und Nightline. Christian Wellmann hat bei der Festival-Alles-Macherin Sandra Krampelhuber nachgefragt und skizziert au&amp;szlig;erdem zwei Festivalfilme. &amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/liti_liti_filmstill_1_medium.jpg" alt="Liti Liti" width="685" height="385"&gt;&lt;br&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/liti_liti_filmstill_2_medium.jpg" alt="Liti Liti" width="685" height="385"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&lt;em&gt;Liti Liti&lt;/em&gt; von Mamadou Khouma Gueye. Filmstill Liti Liti&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Afrikanisches Kino spielt mit einem riesigen Spektrum an Geschichten, die in Europa gerne ignoriert werden. Das &lt;em&gt;Cin&amp;eacute;ma Afri&amp;shy;cain!-&lt;/em&gt;Festival (CA) schafft eine Plattform, um afrikanische Realit&amp;auml;ten abzubilden und die reiche Kultur und Geschichte eines jungen und dynamischen Afrikas zu umrei&amp;szlig;en. Es geht dabei um mehr als nur Kino: Das CA-Programm schafft Raum f&amp;uuml;r Austausch &amp;uuml;ber Identit&amp;auml;t, Widerstand und gesellschaftlichen Wandel und stellt (zumeist) Frauenfiguren in den Mittelpunkt. Bilder, die man zu &amp;bdquo;Afrika&amp;ldquo; im Kopf hat, sollen gesprengt werden &amp;ndash; oder zum &amp;Uuml;berdenken anleiten. Wer ein besseres Verst&amp;auml;ndnis des Kontinents Afrika und seiner zeitgen&amp;ouml;ssischen Lebensrealit&amp;auml;ten erfahren m&amp;ouml;chte, ist eingeladen seine Stereotypen zu zermalmen. Nat&amp;uuml;rlich alles nur als kleiner Ausschnitt eines unm&amp;ouml;glich abzubildenden Ganzen (= Afrika).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Initiatorin und Kuratorin Sandra Krampelhuber verkn&amp;uuml;pft seit &amp;uuml;ber 20 Jahren k&amp;uuml;nstlerische Ideen im interkulturellen Kontext. Neben ihrer Liebe zum afrikanischen Film ist sie au&amp;szlig;erdem als Filmemacherin, Kulturanthropologin und -produzentin umtriebig. Der Drang, einseitige westliche Sichtweisen zu hinterfragen und in einen globalen Kontext zu stellen, treibt sie an. &amp;bdquo;Film ist ein ideales Medium, um sich in andere Lebensrealit&amp;auml;ten f&amp;uuml;r kurze Zeit hineinzuversetzen. Man erreicht vergleichsweise schnell potenziell mehr Menschen mit einem Film als mit einem Buch.&amp;ldquo;&lt;br&gt;Im Dachstock der KAPU begann sie 2010 Musik-Dokumentarfilme aus Afrika und der Diaspora zu zeigen. Ein aus pers&amp;ouml;nlichem Interesse und Leidenschaft geborenes Format, das Linz dreimal die Augen f&amp;uuml;r Neues &amp;ouml;ffnete. Danach f&amp;uuml;hrte sie bis 2018 in der STWST diverse internationale Festivals mit Schwerpunkt Afrika weiter &amp;ndash; erweitert um Symposien, Talks und fette Nightlines. 2015 wurde zum Beispiel der STWST-Saal zum Kino umgebaut und das Festival &lt;em&gt;Cin&amp;eacute;ma Africain&lt;/em&gt; genannt. Nach dem Schwarzen Loch namens Pandemie wurde das aufgeschobene &lt;em&gt;Unruly Thoughts-Festival &lt;/em&gt;2022 mit FIFTITU% online veranstaltet &amp;ndash; um letztendlich 2024 im &lt;em&gt;Cin&amp;eacute;ma Africain!-&lt;/em&gt;Festival zu kulminieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich treffe die Festivalleiterin gerade in der hei&amp;szlig;en Planungsphase, nicht nur ob der Au&amp;szlig;entemperaturen. Das Programm muss noch feingeschliffen und vieles fixiert werden. &amp;bdquo;Ich glaube, ich habe immer den Wunsch gehabt, dass ich das Ganze auch mal in einem Kino machen will. Ich bin zwar sehr daf&amp;uuml;r, dass man das Programm dezentral oder an Orten zeigt, wo man es nicht so gew&amp;ouml;hnt ist, aber aus der Sicht einer Filmemacherin bin ich schon immer happy, wenn das im Kino mit dem besten Beamer, der besten Soundanlage gezeigt und die &amp;Ouml;ffentlichkeit mehr angesprochen werden kann.&amp;ldquo; Daraus hat sie den Gedanken entwickelt: Warum nicht ein professionelles, l&amp;auml;ngerfristiges Filmfestival auf die Beine stellen?! Im ersten Jahr hat es mit dem Budget noch ganz gut ausgeschaut, es ist dann aber ein gro&amp;szlig;er F&amp;ouml;rdergeber weggefallen. &amp;bdquo;Die Idee war eigentlich, dass ich es gr&amp;ouml;&amp;szlig;er machen wollte nach dem ersten Mal.&amp;ldquo; Eine (allseits) beschr&amp;auml;nkte F&amp;ouml;rdermittellage verhinderte dies.&amp;nbsp;&lt;br&gt;Beim dritten CA gibt es wieder kontempor&amp;auml;re Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme zu sehen &amp;ndash; einzigartige Werke aus Afrika und der afrikanischen Diaspora, erm&amp;ouml;glicht durch das gro&amp;szlig;e Netzwerk, das Krampelhuber &amp;uuml;ber die Jahre aufgebaut hat. Es wird darauf geachtet, Filme zu zeigen, die keinen klassischen Filmstart in &amp;Ouml;sterreich haben. Der Umstand, dass sehr viele Kurzfilme produziert werden, weil sie billiger zu drehen sind und eine k&amp;uuml;rzere Drehzeit haben, wo vor allem J&amp;uuml;ngere Erfahrungen sammeln k&amp;ouml;nnen, wird ebenso programmatisch ber&amp;uuml;cksichtigt.&lt;br&gt;&amp;bdquo;Ich finde es spannend, wenn Filme von Regisseurinnen oder mit weiblichen Charakteren und Geschichten gezeigt werden. Wenn ich kuratiere, achte ich sehr wohl darauf, dass das mindestens einen 50%en-Frauenanteil hat. Bei FIFTITU% wird es beispielsweise ein feministisches Kurzfilm-Programm geben&amp;ldquo;, beschreibt Krampelhuber das diesj&amp;auml;hrige Film- &amp;amp; Talk-Format &lt;em&gt;African Classics &amp;ndash; Sarah Maldoror&amp;rsquo;s Carnival Trilogy.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;2026 hat CA au&amp;szlig;erdem den Preis &lt;em&gt;Stadt der Vielfalt &lt;/em&gt;von der Stadt Linz bekommen und ist Teil der &lt;em&gt;Antirassismus-Ins-Rampenlicht-&lt;/em&gt;Kampagne, &amp;ndash; was dem Festival auch eine zus&amp;auml;tzliche Anerkennung gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/nomadshadow-still1_psf_medium.jpg" alt="Nomad" width="800" height="401"&gt;&lt;br&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/nomadshadow-still5_medium.jpg" alt="Nomad" width="800" height="401"&gt;&lt;br&gt;&lt;img src="../../../../media/_versions/nomadshadow-still8_medium.jpg" alt="Nomad" width="800" height="401"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&lt;em&gt;Nomad Shadow&lt;/em&gt; von Eimi Imanishi, 2025. Filmstill Nomad Shadow&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Von der Struktur her wird das im November stattfindende Festival &amp;auml;hnlich sein wie die zwei zuvor, in enger Zusammenarbeit mit Nadia Denton, einer Filmexpertin aus London. Neben ihrer beratenden Funktion leitet sie mit Moderationen und Talks durchs Festival. &amp;bdquo;Wir kennen uns schon seit 2006, sie hat den &lt;em&gt;Queens of Sound-&lt;/em&gt;Film von mir quasi f&amp;uuml;r London &amp;sbquo;entdeckt&amp;lsquo;. Und hat damals das &lt;em&gt;Black Film Festival &lt;/em&gt;in London geleitet&amp;ldquo;, schildert die Festivalleiterin ihre 20-j&amp;auml;hrige Partnerschaft.&lt;br&gt;Letztes Jahr haben die beiden das Buch &lt;em&gt;Cin&amp;eacute;ma Africain &amp;ndash; Archiving, Resistance and Freedom&lt;/em&gt; ver&amp;ouml;ffentlicht. &amp;bdquo;Ich wollte eine Publikation zum Festival, mit Inhalten zum Festival und Artikeln von G&amp;auml;sten. Wir haben uns das dann aufgeteilt&amp;ldquo;, erw&amp;auml;hnt Krampelhuber das von &lt;em&gt;Linz-Impuls&lt;/em&gt; gef&amp;ouml;rderte Werk, das &amp;uuml;ber die Homepage erh&amp;auml;ltlich ist und beim Festival aufliegen wird.&lt;br&gt;Nadia Denton sieht im Linzer Festivalformat eine Kraft, um &amp;bdquo;(&amp;hellip;) das lokale Publikum in die Lage zu versetzen, sich in andere kulturelle Narrative einzuf&amp;uuml;hlen und ein besseres Verst&amp;auml;ndnis f&amp;uuml;r die Menschlichkeit der dargestellten Gesellschaften zu entwickeln, was insgesamt unglaublich bereichernd ist und letztendlich zu kognitiven Verschiebungen f&amp;uuml;hren kann&amp;ldquo; (Interview aus &lt;em&gt;Referentin 37).&lt;/em&gt; In Koop mit der Kunstuniversit&amp;auml;t wird sie im Rahmenprogramm auch einen Talk veranstalten (mit dem Arbeitstitel &lt;em&gt;Politics of the Image: German Modernist Artists and African Presences).&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Die Referentin &lt;/em&gt;durfte sich bereits an zwei Sneak Previews erfreuen: &lt;em&gt;Liti Liti &lt;/em&gt;von Mamadou Khouma Gueye, ein junger senegalesischer Regisseur, der (&amp;uuml;ber Jahre hinweg) die Geschichte von Gentrifizierung und Vertreibung in Dakar mittels seiner Mutter erz&amp;auml;hlt. &amp;bdquo;Es ist ein sehr intimes Portr&amp;auml;t, nicht &amp;uuml;beremotionalisiert, aber sehr poetisch. Er driftet nicht ins Reportageartige ab, gerade bei so einem Thema &amp;ndash; die poetische Ebene ist sehr gelungen. Es zeigt diesen Kapitalismus-Bau-Wahnsinn. Ich finde, es ist eine universelle Geschichte und nat&amp;uuml;rlich sind die Umst&amp;auml;nde nicht mit Europa vergleichbar. Was sich durchzieht, ist einfach dieser widerliche Kapitalismus und diese Profitgier&amp;ldquo;, so die Festivalleiterin zur rauen Realit&amp;auml;t einer r&amp;uuml;cksichtslosen Enteignung, wo ein Wohnviertel dem Neubau einer (ca. 60 km langen) Eisenbahnstrecke weichen muss. Ganze Communities wurden zerst&amp;ouml;rt und ein ganzes Ghetto geschliffen. &amp;bdquo;Die Politik achtet nur auf das eigene Prestige, Einnahmen flie&amp;szlig;en nicht in die Stadtkasse, sondern in die Investoren&amp;ldquo;. Die franz&amp;ouml;sische Koop wird von einer senegalesischen Distributionsfirma vertrieben, die es geschafft hat, dass der Film auf bekannten Festivals gezeigt wurde und als &amp;Ouml;sterreichpremiere in Linz zu sehen sein wird.&lt;br&gt;&lt;em&gt;Nomad Shadow&lt;/em&gt; (Eimi Imanishi, 2025) ist ein hochaktueller Spielfilm und handelt von einer jungen Frau, die in Spanien lebt und deportiert wird. Mariam muss nach ca. einer Dekade in ihr Dorf in der Westsahara zur&amp;uuml;ckkehren, wo sie &amp;uuml;berhaupt nicht mehr hinpasst und mit Vorurteilen und Vorschriften ihrer konservativen Mutter &amp;uuml;berladen wird. Sie will einfach ihr Leben leben &amp;ndash; und sofort wieder nach Spanien zur&amp;uuml;ckkehren. Auch anhand der problematischen Lage der Sahrawi, eine maurische Ethnie in der Westsahara, werden Fl&amp;uuml;chtlingserfahrungen beschrieben. &amp;bdquo;Wer Geduld hat, wird von seinem Schatten begr&amp;uuml;&amp;szlig;t&amp;ldquo; &amp;ndash; so ein definierender Satz in &lt;em&gt;Nomad Shadow.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Filmemacherin ist Sandra Krampelhuber lange aktiv: &amp;bdquo;Filmprogramme mit Schwerpunkt Afrika waren fester Bestandteil in vielen meiner bisherigen kulturellen Formate. Meine eigene Reise in die Welt des Filmes startete vor 20 Jahren mit einem Aufenthalt in Jamaika und einer Low-Budget-Filmproduktion &amp;uuml;ber Frauen in der Reggae- und Dancehall-Kultur &lt;em&gt;(Queens of Sound &amp;ndash; A Herstory of Reggae and Dancehall, 2006).&amp;ldquo;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;Es folgten &lt;em&gt;100% Dakar&lt;/em&gt; (2014), &lt;em&gt;Accra Power &lt;/em&gt;(2016) und &lt;em&gt;Mane&lt;/em&gt; (2020). Ihr f&amp;uuml;nfter Film &lt;em&gt;Letter Of A Woman&lt;/em&gt; ist mittlerweile in Post-Produktion und soll &amp;uuml;ber den Sommer fertiggestellt werden &amp;ndash; wann er rauskommt, h&amp;auml;ngt davon ab, wann er von internationalen Festivals angenommen wird. Der essayistische Dokumentarfilm ist ein feministisches Road-Movie im Senegal. Es geht um eine junge Frau, Anfang 30, die sich auf die Suche nach ihren Wurzeln macht, nach ihrer eigenen Geschichte. Sie will mehr &amp;uuml;ber ihre Gro&amp;szlig;mutter erfahren und macht sich mit einem Motorrad auf, den Norden des Landes zu bereisen &amp;ndash; getragen vom inneren Dialog ihrer Gedanken. Hauptdarstellerin Toussa (Astou &amp;bdquo;Toussa&amp;ldquo; Gueye) war schon in ihrem letzten Film Mane als Rapperin im Senegal zu sehen. &lt;em&gt;Letter Of A Woman&lt;/em&gt; ist inzwischen Krampelhubers dritter Film im Senegal, in dem sie, alles zusammengerechnet, ca. zwei Jahre verbracht hat: &amp;bdquo;Irgendwann ist es dann schon mehr Zuhause als Zuhause ...&amp;ldquo; Und genau das ist dann ein Gef&amp;uuml;hl, das ein Format wie &lt;em&gt;Cin&amp;eacute;ma Africain! &lt;/em&gt;vermitteln kann: Die eigene Haust&amp;uuml;r als Eingang in den Kaninchen-Tunnel.&amp;nbsp; &amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Cin&amp;eacute;ma Africain! &lt;/strong&gt;04.&amp;ndash;07. 11. 2026&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;erschiedene Spielorte in Linz. Hauptlocation: Moviemento Kino, wo der Gro&amp;szlig;teil der Filme gezeigt wird. Koop mit Kunstuniversit&amp;auml;t Linz (Talkformate, etc.) und FIFTITU%. Nightline in Koop. mit der Stadtwerkstatt. Internationale G&amp;auml;ste.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Das detaillierte Festival-Programm wird Anfang Oktober auf der Homepage ver&amp;ouml;ffentlicht.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Er&amp;ouml;ffnungsfilm im Moviemento bei freiem Eintritt&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;(Anmeldung!). &lt;a href="https://www.cinema-africain.at" target="_blank" rel="noopener"&gt;www.cinema-africain.at&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;(wo auch ein PDF von &lt;/em&gt;Cin&amp;eacute;ma Africain &amp;ndash; Archiving, Resistance and Freedom &lt;em&gt;erh&amp;auml;ltlich ist)&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://sites.google.com/view/sandrakrampelhuber/info" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;sites.google.com/view/sandrakrampelhuber/info&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;Uuml;ber fr&amp;uuml;here Ausgaben von &lt;/em&gt;Cin&amp;eacute;ma Africain und die Publikation Cin&amp;eacute;ma Africain &amp;ndash; Archiving, Resistance and Freedom&lt;em&gt; wurde auch in vergangenen Ausgaben der Referentin berichtet. Einfach mit der Suchfunktion finden: &lt;a href="../../../../"&gt;diereferentin.servus.at&amp;nbsp;&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Sondierwerk:  Insel zwischen  Industrie und Natur</title><link href="http://diereferentin.servus.at/sondierwerk-insel-zwischen-industrie-und-natur/" rel="alternate"/><author><name>Ralf Petersen</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/sondierwerk-insel-zwischen-industrie-und-natur/</id><summary type="html">Am Traunufer ist ein Schwimmkörper dem anderen gewichen: Das Sondierwerk, jetzt anliegend, wo sich bis vor Kurzem das Messschiff Eleonore fand, bildet
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Am Traunufer ist ein Schwimmk&amp;ouml;rper dem anderen gewichen: Das &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Sondierwerk, &lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;jetzt anliegend, wo sich bis vor Kurzem das &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Messschiff Eleonore&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt; fand, bildet die treibende Grundlage f&amp;uuml;r viele zuk&amp;uuml;nftige Projekte &amp;mdash; und f&amp;uuml;r einen Haufen Arbeit! Ralf Petersen berichtet vom Schiff und aus dem kulturperspek&amp;shy;tivisch reizvollen Linzer S&amp;uuml;den.&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/llo_(18)_big.jpg" alt="Sondierwerk" width="1284" height="867"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Das Sondierwerk, aufgenommen vom Boot Niveau. &amp;copy; Petersen&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jan lenkt den Wagen &amp;uuml;ber den Schotterweg. S&amp;uuml;dlich des Linzer Industriegebiets kommen wir parallel zum Fluss zum Stehen. Hier, unweit der Stelle, an der die Traun in die Donau m&amp;uuml;ndet, befindet sich der bespielte Liegeplatz, zum Hafen der Sehnsucht getauft. Im Fr&amp;uuml;hsommer dieses Jahres wurde das inzwischen ausgeschlachtete Messschiff Eleonore von hier weggeschleppt und verschrottet. Angelegt hat stattdessen das Sondierwerk, ein ausgemustertes Arbeitsschiff, welches einst eingesetzt wurde, um Brocken und der&amp;shy;gleichen aus der Fahrrinne der Donau zu ent&amp;shy;heben. Nun und fortan wird es die Grundlage einer neuen Phase von ortsbezogenen Projekten der fluktuierenden Gruppe von Sehnsuchts-Hafenarbeiter*innen sein. Von denen findet sich heute eine Handvoll ein, hier, nahe der Lunzerstra&amp;szlig;e. Vom anliegenden Arbeitsschiff wird schon begr&amp;uuml;&amp;szlig;end gewunken, einer nach der anderen balancieren wir &amp;uuml;ber ein Paar Bolen von der gepachteten Uferfl&amp;auml;che auf das Neuinvestment. Trocken auf es, das Sondierwerk, &amp;uuml;bersetzt, kann ich doch nicht widerstehen &amp;ndash; ab ins k&amp;uuml;hle Nass!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem Interview darf ich auch noch ein zweites Mal, wird mir im Spa&amp;szlig; zugesichert, doch dann w&amp;auml;r mein Konto erstmal leer. F&amp;uuml;r weiteres Badevergn&amp;uuml;gen m&amp;uuml;sst ich erst etwas Arbeit hier verrichten auf dem Schiff. Das ist fair. Vielleicht z&amp;auml;hlt ja das Interviewf&amp;uuml;hren schon dazu? Schlie&amp;szlig;lich will ich ja einen Text schreiben &amp;uuml;ber dieses Projekt und die hier t&amp;auml;tigen Personen, und was sie vorhaben. Wie viele sind es denn? Zwanzig Leute, zehn aktiver, au&amp;szlig;erdem eine Menge Unterst&amp;uuml;tzer*innen, die &amp;bdquo;die egalit&amp;auml;re Grup&amp;shy;pe&amp;ldquo; bei gewissen T&amp;auml;tigkeiten erg&amp;auml;nzen. Denn zu tun gibts unendlich viel: der &amp;bdquo;gekaufte Haufen Schrott&amp;ldquo;, der gegenw&amp;auml;rtig vorzufinden ist, ist vergleichbar mit einer Oberfl&amp;auml;che, deren Innenleben vieler H&amp;auml;nde Werkvergn&amp;uuml;gen bedarf: schwei&amp;szlig;en, flexen, putzen, schrubben, streichen, verkleiden, ge&amp;shy;stalten, verwalten, s&amp;auml;gen, pflegen und so weiter. H&amp;auml;n&amp;shy;gen, sengen, lenken. Umgesetzt werden sollen die diversen Vorhaben, zuerst geht es aber um die Errichtung einer funktionierenden Infrastruktur, nicht nur f&amp;uuml;r die erw&amp;auml;hnten Seelen; auch einzuladende K&amp;uuml;nstler*innen werden die M&amp;ouml;glichkeit erhalten, ihr Know-How, ihre Visionen und Ideen einzubringen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In ebendiesem Geiste berichtet Hedieh Kha&amp;shy;jehzadeh (I-ID), zur Gruppe gesto&amp;szlig;en &amp;uuml;ber das Bootsprojekt &amp;bdquo;Das Niveau&amp;ldquo;, von der Vor&amp;shy;freude auf diverse Soundarbeiten und -in&amp;shy;stallationen; auf das Sondierwerk als lebendigen Kulturort. Und Hedieh ist gemeinsam mit Linda Greuter und Heike Waldner-Kaltenbrunner &amp;ndash; um nur einige der involvierten K&amp;uuml;nstler*innen zu nennen, welche vielmals aus dem Pool des Kollektivs qujOch&amp;Ouml;, in welchem Hedieh auch aktiv ist, deren T&amp;auml;tigkeiten hier an die Traun hin&amp;uuml;berschwappen &amp;ndash; bereits mitten im Konzipieren eines Projekts, welches das Schiff mittels Archivmaterialien und wiederholten Transformati&amp;shy;onen und &amp;Uuml;bersetzungen in Ton verwandele.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/llo_(33)_medium.jpg" alt="Sondierwerk" width="685" height="463"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&amp;copy; Petersen&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber noch einmal zur&amp;uuml;ckgerudert: Was war &amp;uuml;berhaupt die Eleonore und wo ist das Mess&amp;shy;schiff hin? Auskunft aus der Stadtwerkstatt dazu: &amp;bdquo;Was konkret die Schiffspraxis und die L&amp;auml;nden der Stadtwerkstatt betrifft, gab es seitens der STWST und ihres assoziierten Vereins halfbit ein gro&amp;szlig;es Interesse, kulturelle Infrastruktur am Wasser herzustellen und zu betreiben. So kam unter anderem auch das Messschiff Eleonore in den Winterhafen, das als DIY-Version einer energieautarken schwimmenden Insel an der Peripherie konzipiert war. Es sollte den kritischen Blick auf die technologischen und kul&amp;shy;turellen Entwicklungen der Zeit erm&amp;ouml;glichen. Auf der Eleonore wurden dann von der Stadtwerkstatt auch 10 Jahre lang Residencies zu Medienkunst und Research am Was&amp;shy;ser betrieben, teilweise mit bis zu neun Residencies pro Jahr, nur in den warmen Monaten. Dies alles hatte mit dem Fokus Autonomie, Kunst und Medien zu tun &amp;ndash; und erforderte zwischen Kunst, Schiffen, Betreiber*innenpraxis, Anlegestellen, Wasserrecht und diversen anderen Rechtslagen am Wasser de facto auch Expert*innenwissen und Beh&amp;ouml;rdenkontakte in gr&amp;ouml;&amp;szlig;erem Umfang. Sp&amp;auml;ter musste die Eleonore dann vom Winterhafen in die Traunm&amp;uuml;ndung, von wo aus die Donaut*innen von halfbit und Stadtwerkstatt de facto auch das Sondierwerk ent&amp;shy;deckten. Es lag dort in der Nachbarschaft und wurde per Ruderboot &amp;uuml;ber diverse Trips entdeckt. Im Zuge diverser &amp;Uuml;bergabebestrebungen wurden dann ab 2023, was L&amp;auml;nde, Schiff und Residencies betrifft, seitens halfbit und Stadtwerkstatt die M&amp;ouml;glichkeit der Neu&amp;shy;formierung besprochen und beschlossen. Die grunds&amp;auml;tzlichen Verschrottung der Ele&amp;shy;o&amp;shy;nore wurde in Aussicht gestellt &amp;ndash; und der neu formierte Verein nahm daf&amp;uuml;r die Eleonore mit in ihren Namen.&amp;ldquo; Und so schreibt auch Mathias Haunschmidt, ebenfalls vor Ort aktiv, und in den letzten Jahren in den Verein halfbit mit eingestiegen, in seiner Masterarbeit &amp;bdquo;Grenzerfahrungen am Wasser&amp;ldquo;, welche er letztj&amp;auml;hrig &amp;uuml;ber die Arbeitsweisen von Kunst- und Kulturschiffen verfasst: &amp;bdquo;Anfang 2024 wurde klar, dass sich die Struktur in dieser Form nicht mehr aufrechterhalten l&amp;auml;sst, die Eleonore hatte immer wieder Wasser im Rumpf, woher war unklar, vermutet wurde ein Leck im aufgedoppelten Rumpf.&amp;ldquo; Statt der Aufgabe gemeinsamer Arbeit habe man sich darauf geeinigt, &amp;bdquo;einen neuen Verein zu gr&amp;uuml;nden, den Vertrag &amp;uuml;ber L&amp;auml;nde und leckes Schiff zu &amp;uuml;bernehmen und die Eleonore zu verschrotten. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach der Weiterf&amp;uuml;hrung des Projektes formuliert, der in Gestalt des Sondierwerks seine Form finden soll.&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier sind wir also, wieder in der Gegenwart, mitten in der Weiterf&amp;uuml;hrung, die doch neue Schwerpunkte verspricht: Das Sondier&amp;shy;werk, &amp;bdquo;geparkt in der Traun&amp;ldquo;, will sich aktiv dem Klischee der &amp;bdquo;M&amp;auml;nnerdom&amp;auml;ne Boots&amp;shy;ding&amp;ldquo; widersetzen. Das Projekt for&amp;shy;dert statt&amp;shy;dessen vielseitig und divers potentielle Partizipierende auf, mitzumachen bei der baulichen, infrastrukturellen und inhaltlich offenen Erarbeitung des nautischen Naherholungsorts, der weniger zum Ausruhen als mehr zum gemeinsamen Gestalten anregt &amp;ndash; oder auch ganz im Sinne der urspr&amp;uuml;nglichen Idee von autarken Orten an der Peripherie und der Idee der schwimmenden &amp;bdquo;In&amp;shy;sel&amp;ldquo;. Das waren etwa auch ganz zentrale Begriffe des Messschiffs Eleonore und ihrer vielen Veranstaltungen und Residencies. Ge&amp;shy;nau dieses rege Treiben w&amp;auml;r wieder das Ziel, und auch die erhoffte Investitionsrentabilit&amp;auml;t. Denn nicht nur durch emsiges Wer&amp;shy;keln ist dem Sondierwerk unter die Arme zu greifen: &amp;bdquo;Wir investieren&amp;ldquo;, erz&amp;auml;hlt man mir, &amp;bdquo;in Schrott als Wertstoff, der einen b&amp;ouml;r&amp;shy;sennotierten Preis hat&amp;ldquo;, weswegen man nat&amp;uuml;rlich Leute suche, &amp;bdquo;die Direktkredite geben wollen&amp;ldquo; um das Kulturschiff zu finanzieren. Besonderheit: &amp;bdquo;It&amp;rsquo;s not a normal credit: you cannot win&amp;ldquo;, weswegen solch monet&amp;auml;re Einlagen gewisserma&amp;szlig;en &amp;bdquo;Support-Direktkredite&amp;ldquo; seien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/llo_(31)_medium.jpg" alt="Sondierwerk" width="685" height="463"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&amp;copy; Petersen&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;bdquo;Felbermayr owned Sondierwerk, sold it for the Schrottpreis. We invest in Schrott: A form of speculation. The Schrottpreis is rising, rust is not fast enough to liquidate our assets!&amp;ldquo; &amp;ndash; Das ist die Ereigniskette, betrachtet aus &amp;ouml;konomischer Sicht. Und hier das Res&amp;uuml;mee aus k&amp;uuml;nstlerischer Perspektive: &amp;bdquo;The value will be defined by our activity&amp;ldquo;, meint Hedieh. Und wenn ich mich umschau: vor wenigen Wochen erst kam das Sondierwerk hier an, wurde geparkt, Juni 2026. Nun schon sitzen wir hier und begutachten die Spuren von Planungen und den Beginn eines Einrichtens auf dem Schiff. Pl&amp;auml;ne g&amp;auml;be es bereits so viele. Jetzt m&amp;uuml;sse man sie umsetzen. Es sei hier nach wie vor so etwas wie ein Grundethos, so autonom wie m&amp;ouml;glich agieren zu k&amp;ouml;nnen, das Sondierwerk als so etwas wie eine Insel, &amp;bdquo;disconnected from everything&amp;ldquo; zu verstehen &amp;ndash; an der Grenze von Industrie und der Natur (&amp;bdquo;auf der anderen Flussseite beginnt ein Naturschutzgebiet&amp;ldquo;, schreibt Haunschmidt); dort das Umspannwerk (dahinter das Atomendlager), hier die Traun und da die B&amp;auml;ume. Eine Verortung im Dazwischen, die f&amp;uuml;r besuchende K&amp;uuml;nstler*innen Input zum Forschen an ebendieser Schnittstelle sein kann. &amp;bdquo;A lot of different people with different focuses&amp;ldquo; w&amp;uuml;n&amp;shy;sche man sich, die Hauptsache sei, das Sondierwerk als Plattform zu begreifen, auf der und an der gebaut werden kann. Zum Beispiel in Form von Residencies. Ei&amp;shy;ne Einladung, die sich an jede*n richte &amp;ndash; denn weil &amp;bdquo;the whole boat scene very male&amp;ldquo; dominiert sei, seis auch in der &amp;bdquo;culture boat scene&amp;ldquo; immer noch &amp;bdquo;very common&amp;ldquo;, dass es zum Beispiel einen m&amp;auml;nnlichen Kapit&amp;auml;n g&amp;auml;be. &amp;bdquo;Only the boat&amp;rsquo;s names are female&amp;ldquo;, meint Hedieh. Ein Problem, das schon seitens halfbit und Stadtwerkstatt benannt war und aktiv verhandelt wurde. Alleine der Na&amp;shy;men Eleonore wies darauf hin. O-Ton aus der Stadtwerkstatt dazu: &amp;bdquo;Die historische Figur Eleonore Prohaska ist als Frau bereits um 1800 aufs Schiff gegangen. Sie hat sich &amp;uuml;ber s&amp;auml;mtliche Konventionen hinweggesetzt, um etwa als Soldatin gegen Napoleon zu k&amp;auml;mpfen. Und das Schiff Eleonore wurde nach Eleonore Prohaska benannt, und nun ist der Verein nach ihr benannt. Das bedeutet, Konventionen und Klischees im Sinne der Selbsterm&amp;auml;chtigung unterlaufen zu wollen, um etwas anderes daraus zu machen. Und in einem ersten Schwung des Linzer Bootsaktivismus in den 2010er Jahren ist das zumindest immer wieder ganz gut gegl&amp;uuml;ckt: Es gab ohnehin eine Reihe Residencies mit weiblichen oder auch diversen Artists, und es wurden au&amp;szlig;erdem gezielt Kuratorinnen als weibliche Personen bestellt, darauf haben sowohl die M&amp;auml;nner als auch die Frauen in der Stadtwerkstatt geachtet, denn, wie man wei&amp;szlig;: Frauen buchen Frauen. Dann gab es Frauen, die &amp;uuml;ber das Messschiff Eleonore und Gruppe der Donaut*innen ihr Interesse f&amp;uuml;r Schiffe weiterbetreiben konnten und in Folge den Bootsf&amp;uuml;hrerschein machten, teilweise auch heute in diesen Jobs arbeiten. Auch von Fiftutu%, Vernetzungsstelle f&amp;uuml;r FLINTA*, wurden in diesen Jahren diverse Aktivit&amp;auml;ten am Wasser angeboten, zumindest zu einem wesentlichen Teil aus diesen Verbindungen zur Eleonore heraus. Leider wiederholt sich aber die Geschichte immer wieder, und irgendwann bleibt, trotz der Beteiligung vieler Frau&amp;shy;en, am Ende wieder eine Handvoll M&amp;auml;nner &amp;uuml;brig.&amp;ldquo; Und darum auch hier das aktive Bem&amp;uuml;hen, sich zu diversifizieren.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wobei, zur&amp;uuml;ck aufs Sondierwerk: zu divers geht auch: ein frecher Besetzer des Schiffs sorgt derweil noch f&amp;uuml;r Unmut: in einer der Kojen hausend, war es ausgerechnet ein Mink, welches das in der Zwischenzeit leerstehende Schiff bewohnt hatte, sich hier die Zentrale seines eigenen Widerstands eingerichtet hatte: &amp;bdquo;The worst kind of squatter&amp;ldquo;, &amp;bdquo;a toilet squatter.&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/llo_(11)_medium.jpg" alt="Sondierwerk" width="800" height="540"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&amp;copy; Petersen&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor dem nordamerikanischen Nerz waren da die regul&amp;auml;ren Arbeitseins&amp;auml;tze des Sondier&amp;shy;werks: &amp;bdquo;Es wurde eigens f&amp;uuml;r den Zweck der Hebung von Gegenst&amp;auml;nden, wie z. B. Felsbrocken, aus der Donau gebaut, um die Fahr&amp;shy;rinne schiffbar zu halten&amp;ldquo; (Haunschmidt): eine der Erz&amp;auml;hlungen aus jener Zeit ist die von den Arbeitern, die einen Stein, der Donau entnommen, an Deck liegen hatten und ihn stets bew&amp;auml;sserten, wenn ein anderes Schiff sie zu passieren drohte. So konnten die Arbeiter auf den nassen Brocken zeigen, behaupten, sie h&amp;auml;tten ihn grad erst dem Fluss entborgen, und inzwischen alle Viere grade sein lassen. &amp;bdquo;Workers in Resistance&amp;ldquo;, finden die heutigen Sondierwerkler*innen und spielen mit der Idee, den vorherigen ein Denkmal zu errichten.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Projekt Sondierwerk ist neu, deshalb zum Schluss ein Aufruf: Willst auch du Worker in Residence oder Artist in Resistance sein oder einfach helfen, zum Beispiel weitere Kojen zu bauen, z&amp;ouml;gere nicht, dich zu melden. Au&amp;szlig;er du bist ein Stinktier, dann gehts auch, aber du musst dir wirklich was &amp;uuml;berlegen wegen des Gestanks. Email-Adresse unten!&amp;nbsp; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Sondierwerk&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Schiffsprojekt am Hafen der Sehnsucht.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;&lt;a href="mailto:kontakt@sondierwerk.org" target="_blank" rel="noopener"&gt;kontakt@sondierwerk.org&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Infrastruktur am Wasser: Schiffe, Fl&amp;uuml;sse und L&amp;auml;nden&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Stadtwerkstatt, Halfbit, Eleonore, Franz Feigl, Junix, Hamburg, Monnickendam, Linz und Landshag an der Donau: In der Dezember-Versorgerin ist ein Beitrag &amp;uuml;ber die langj&amp;auml;hrige k&amp;uuml;nstlerische und kulturelle Arbeit der Stadt&amp;shy;werkstatt und des Vereins halfbits an der Donau und dar&amp;uuml;ber hinaus nachzulesen &amp;ndash; im Zen&amp;shy;trum stehen dabei Schiffe, Schiffspraxis und die Herstellung&amp;nbsp;&lt;strong&gt;von k&amp;uuml;nstlerischer Praxis und Infrastruktur am Wasser &amp;ndash; im Zeichen von Kunst, Kultur und Autonomie.&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Mikrofon  essen Mund auf</title><link href="http://diereferentin.servus.at/mikrofon-essen-mund-auf/" rel="alternate"/><author><name>Claus Harringer</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/mikrofon-essen-mund-auf/</id><summary type="html">Ab 23. September ist im Wiener Museumsquartier eine Ausstellung mit Konzertfotografien von Petra Moser zu sehen. Claus Harringer hat mit ihr
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Ab 23. September ist im Wiener Museumsquartier eine Ausstellung mit Konzertfotografien von Petra Moser zu sehen. &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Claus Harringer&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt; hat mit ihr gesprochen und ein Portr&amp;auml;t verfasst.&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/dsc_1070_medium.jpg" alt="Half Darling" width="800" height="534"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&lt;em&gt;Half Darling &lt;/em&gt;(Lisa Kortschak), Klangfestival Gallneukirchen, 2024. &amp;copy; Petra Moser&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Konzertfotos wohnt eine eigent&amp;uuml;mliche &amp;Auml;sthetik in&amp;shy;ne. Diese mag daher r&amp;uuml;hren, dass die Dargestellten &amp;ndash; anders als bei inszenierten Bildern &amp;ndash; nicht der Kamera gegen&amp;uuml;bertreten, sondern einem Publikum. Die fotografische Perspektive ist eine au&amp;szlig;enstehende, aber doch Teil des Erlebnisses, das schnappschussartig dokumentiert wird. Meist sind sich die Personen nicht bewusst, dass sie gerade fotografiert werden. Dementsprechend erscheinen die Bilder trotz des &amp;ouml;ffentlichen Charakters des Settings irgendwie intim: Manche der Akteure auf der B&amp;uuml;hne wirken kontemplativ und entr&amp;uuml;ckt, andere strahlen in diesen unbewachten Momenten eine ungez&amp;auml;hmte Anmut aus &amp;ndash; die Haare wirr, die Mimik verzerrt, die K&amp;ouml;rperhaltung dynamisch und dennoch f&amp;uuml;r den Augenblick stillgestellt. Ihre Bewegungskraft, die &amp;uuml;ber diese Gegenwart hinausdr&amp;auml;ngt, scheint den Rahmen sowohl sprengen als auch die Betrachterin in ihn hineinziehen zu wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Petra Moser f&amp;uuml;hlt sich am wohlsten in der Rolle der Beobachterin &amp;ndash; und zwar einer, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit ihrer Kamera auf jene Momente zu warten, in denen sich alles f&amp;uuml;gt und die deshalb festgehalten zu werden verdienen. Das sind nicht zwingend die spektakul&amp;auml;rsten oder dramatischsten: &lt;em&gt;&amp;bdquo;Man versucht da jetzt nicht den ungew&amp;ouml;hnlichsten Blickwinkel zu kriegen oder so, sondern eher Emotionen einzufangen [&amp;hellip;] Ich bin gerne auf der Lauer und warte auf diesen Moment, den ich dann hoffentlich erwische oder auch nicht [&amp;hellip;], das muss jetzt nicht zwingend der Moment sein, der sich gut verkaufen l&amp;auml;sst.&amp;ldquo;&lt;/em&gt; Sie erz&amp;auml;hlt exemplarisch davon, wie schwierig es war, Lukas Lauermann w&amp;auml;hrend des Cellospiels ad&amp;auml;quat abzulichten &amp;ndash; letztendlich gelang ihr aber eine Aufnahme, die eine gewisse Ruhe ausstrahlt, ohne die Bewegungen der H&amp;auml;nde zu unterschlagen. Bedeutsam war ihr hierbei beispielsweise die axiale Anordnung von Musiker und Instrument, die Blickrichtung sowie diverse weitere Details, die das fotografisch geschulte Auge in Sekundenbruchteilen bewertet und welche dann den Unterschied zwischen einer gelungenen Bildkomposition mit besonderer Aura &amp;ndash; selbst wenn diese nur unzureichend in Worte gefasst werden kann &amp;ndash; und einem Dutzendmotiv ausmachen. Und da ist nat&amp;uuml;rlich die Sache mit dem Mikrofon als St&amp;ouml;rfaktor: &lt;em&gt;&amp;bdquo;Ja, also, wenn man den Mund nicht mehr sieht, das ist irgendwie komisch.&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/dsc_4047_medium.jpg" alt="Lukas Kauermann" width="617" height="925"&gt;&lt;br&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Lukas Lauermann, Stadtwerkstatt, November 2022. &amp;copy; Petra Moser&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gespr&amp;auml;ch betont Petra Moser mehrfach, wie wichtig es ihr ist, m&amp;ouml;glichst keine unangemessene &amp;ndash; gleichsam privilegierte &amp;ndash; Position einzunehmen, indem sie etwa von der Seitenb&amp;uuml;hne aus auf den Performance-Bereich hinfotografiert: &lt;em&gt;&amp;bdquo;Sobald ich auf der B&amp;uuml;hne stehe, bin ich nicht mehr die Beobachterin.&amp;ldquo;&lt;/em&gt; Sie will das Geschehen aus der Perspektive des Publikums dokumentieren, um den Betrachterinnen ihrer Arbeiten einen Eindruck davon zu vermitteln &amp;ndash; sie bis zu einem gewissen Grad eintauchen zu lassen. Dabei konzentriert sie sich ausschlie&amp;szlig;lich auf die Live-Situation selbst und nicht das Rundherum (z. B. Szenen im Backstage&amp;shy;bereich oder die Veranstaltungstechnik).&amp;nbsp;&lt;br&gt;Angesichts von Petra Mosers Begeisterung sowohl f&amp;uuml;r Fotografie als auch Musik wirkt es im Nachhinein betrachtet beinahe unvermeidbar, dass diese beiden Interessen in der Konzertfotografie konvergierten &amp;ndash; auch hier gilt aber die unter anderem von Kierkegaard formulierte Einsicht, dass das Leben r&amp;uuml;ckw&amp;auml;rts verstanden, aber vorw&amp;auml;rts gelebt wird. Manch folgenreiche Entscheidungen verdanken sich ohnehin h&amp;auml;ufiger spontanen Eingebungen als &amp;ndash; meist illusorischer &amp;ndash; lang&amp;shy;fristiger Lebensplanung. Was jedoch eine entscheidende Rolle spielte, war ihre Radio-T&amp;auml;tigkeit. Frisch aus dem Salzburgischen nach Linz gezogen, begann Petra Moser 1999 (also kurz nach Sendestart von Radio FRO) ihre Mitarbeit dort &amp;ndash; zun&amp;auml;chst &amp;uuml;ber ein unbezahltes Praktikum in der Frozine-Redaktion. 2001 &amp;uuml;bernahm sie die Programmkoordination und wenig sp&amp;auml;ter zus&amp;auml;tzlich die Musikredaktion. Ihr Aufgabenbereich beschr&amp;auml;nkte sich hierbei nicht auf den musikredaktionellen Kernbereich (Erstellen von Playlists, Kommunikation mit Artists und Labels), sondern inkludierte auch den Live-Bereich: Vor allem Konzerte in der Stadtwerkstatt fanden im Rahmen des Formats &amp;bdquo;FROlive&amp;ldquo; ihren Weg on air. Abgesehen von der Qualit&amp;auml;t des Stwst-Bookings ist hier auch die r&amp;auml;umliche N&amp;auml;he ausschlaggebend: Petra Mosers Arbeitsplatz ist nur einige Meter vom Veranstaltungssaal entfernt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/dsc_6143_medium.jpg" alt="Sirius Sue" width="800" height="534"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&lt;em&gt;Sirius Sue,&lt;/em&gt; Salonschiff Frl. Florentine, Oktober 2025. &amp;copy; Petra Moser&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fotobegeisterung wurde nicht erst in Linz geweckt, allerdings hat ihr Petra Moser hier &amp;ndash; weniger einem langfristigen Plan als sich bietenden Gelegenheiten folgend &lt;em&gt;(&amp;bdquo;es hat mich einfach gefreut und ich habe mir gedacht, ich schaue mir das an&amp;ldquo;)&lt;/em&gt; &amp;ndash; eine professionellere Basis gelegt: Zu der Zeit, als sie voll bei Radio FRO einstieg, absolvierte sie eine Ausbildung an der Prager Fotoschule und begann dann 2005 ein Diplomstudium an der Linzer Kunstuniversit&amp;auml;t im Studienzweig Grafik-Design und Fotografie, das sie ohne gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Verz&amp;ouml;gerungen (aber mit einem Auslandssemester in den Niederlanden) abschloss. Um das Studium mit ihrer Arbeit bei FRO vereinbaren zu k&amp;ouml;nnen, musste sie aus Zeitgr&amp;uuml;nden ihre Funktion als Programmkoordinatorin abgeben &amp;ndash; die Musikredaktion verantwortet sie auch heute, 25 Jahre sp&amp;auml;ter, noch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass Petra Moser das Fotografieren mit analogem Equipment gelernt hat (samt Entwicklung der Abz&amp;uuml;ge), mag ein Grund daf&amp;uuml;r sein, warum sie dabei nach wie vor ausschlie&amp;szlig;lich den optischen Sucher (im Unterschied zum Display) verwendet. Aber auch ihre eingangs erw&amp;auml;hnte Vorliebe f&amp;uuml;r die Beobachterinnenrolle, in die sie sich auf diese Weise noch immersiver versenken kann. Mittlerweile ist ihr diese Position so selbstverst&amp;auml;ndlich geworden, dass es etwas ungewohnt ist, wenn sie ohne Auftrag (sei es als Fotografin oder Interviewerin) bei einer Veranstaltung ist &amp;ndash; aber nicht unwillkommen, da es letztlich um die Freude daran geht. Da macht es dann auch nichts, wenn die Kamera den Abend einmal auf dem Schreibtisch statt vor der B&amp;uuml;hne verbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dies d&amp;uuml;rfte angesichts der Vielzahl an Bildern eher die Ausnahme gewesen sein, die sich im Entstehungszeitraum von 17 Jahren angesammelt haben: &lt;em&gt;&amp;bdquo;Also die ersten, die ich quasi in meinem Archiv gefunden habe, die auch brauchbar sind, sind aus dem Jahr 2009.&amp;ldquo;&lt;/em&gt; Diese fr&amp;uuml;hen Fotografien sind noch von einem gewissen Herumprobieren mit dem gestalterischen Spielraum des Apparats gekennzeichnet &amp;ndash; beispielsweise gibt es aus diesem ersten Jahr ein Bild von Christina Nemec (die bei STWST84x12 im Rahmen der Nightline als &amp;bdquo;chra&amp;ldquo; auftreten wird), bei dem Petra Moser aufgrund der Lichtverh&amp;auml;ltnisse Blitzlicht verwendet hat. Das w&amp;uuml;rde sie heute so nicht mehr machen: &lt;em&gt;&amp;bdquo;Sehr cooles Foto geworden, aber es ist geblitzt und das ist halt der Zeit und meiner Experimentierfreude geschuldet, dass das einfach ganz anders ausschaut [&amp;hellip;] Es w&amp;uuml;rde mir jetzt nicht mehr einfallen, ein B&amp;uuml;hnenlicht wegzublitzen&amp;ldquo;.&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mittlerweile fotografiert Petra Moser nicht mehr nur bei Konzerten, sondern stellt &amp;ndash; seit 2011 als freischaffende Fotografin &amp;ndash; ihre F&amp;auml;higkeiten auch dem Linzer Brucknerorchester zur Verf&amp;uuml;gung, zu dessen letzten beiden Orchesterb&amp;uuml;chern sie Bilder beigesteuert hat, sowie dem Schauspielhaus des Linzer Landestheaters. &amp;Uuml;ber die Jahre hat sie sich ein &amp;auml;sthetisches Vokabular erarbeitet, das f&amp;uuml;r Au&amp;szlig;enstehende &amp;ndash; nicht aber sie selbst &amp;ndash; klar identifizierbar ist: Darauf angesprochen meint Petra Moser, dass ihr die eigene k&amp;uuml;nstlerische Handschrift nicht ins Auge springt, die Person, die beim Landestheater die Fotos ausw&amp;auml;hlt, aber nicht nur erkennt, welche von ihr sind, sondern auch sagen kann, ob ihr das St&amp;uuml;ck gefallen hat oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/dsc_5938_medium.jpg" alt="Bernhard Breuer" width="800" height="534"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Bernhard Breuer, Herbert Bauwagen B&amp;uuml;hne Ottensheim, Juli 2020. &amp;copy; Petra Moser&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenngleich ihre privaten Konzertaufnahmen einer anderen Logik folgen als diese professionellen Arbeiten (schlie&amp;szlig;lich gilt es hier, Vorgaben der Auftraggeber gerecht zu werden) und auch das Ambiente ein anderes ist, macht sich doch das gleiche dokumentarische Ethos bemerkbar, m&amp;ouml;glichst unsichtbar zu bleiben: &lt;em&gt;&amp;bdquo;Als Fotografin sehe ich es schon als meine Aufgabe, das zu dokumentieren, ohne dass es das Publikum in irgendeiner Art beim Zuh&amp;ouml;ren behindert. Also keine quietschenden Schuhe, lautlose Kamera, m&amp;ouml;glichst klein machen, Blitz sowieso nicht.&amp;ldquo;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie kam es aber nun zu der anstehenden Ausstellung? Den Hintergrund daf&amp;uuml;r bildet das Bestreben des SR-Archivs (einer seit &amp;uuml;ber 30 Jahren verf&amp;uuml;gbaren Online-Datenbank &amp;ouml;sterreichischer Popularmusik), die Datens&amp;auml;tze um mehr fotografische Dokumente zu erweitern. Aus diesem Grund bat der am SRA beteiligte Musiker und K&amp;uuml;nstler Wolfgang &amp;bdquo;Fadi&amp;ldquo; Dorninger Petra Moser um ihr Archiv und eine kleine Auswahl daraus wird direkt am Sitz des SRA im Wiener Museumsquartier zu sehen sein. Die Zusammenstellung war gar nicht so einfach: &lt;em&gt;&amp;bdquo;Man will nat&amp;uuml;rlich irgendwie die Locations, die Artists so breit wie m&amp;ouml;glich abdecken, genrem&amp;auml;&amp;szlig;ig und altersm&amp;auml;&amp;szlig;ig. Man will es irgendwie so vielf&amp;auml;ltig wie m&amp;ouml;glich machen.&amp;ldquo;&lt;/em&gt; Letztlich hat sie das alles aber verworfen und ist einem recht naheliegenden Prinzip gefolgt &amp;ndash; vor allem vor dem Hintergrund, dass die Motivation zur Konzertfotografie in der Freude an der Live-Musik gr&amp;uuml;ndet: &lt;em&gt;&amp;bdquo;Es sind jetzt einfach meine Lieblingsbilder.&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ausstellung ist jedenfalls ein angemessener &amp;ndash; und &amp;uuml;berf&amp;auml;lliger &amp;ndash; Anlass, Petra Moser und ihre Arbeiten vorzustellen. Es w&amp;auml;re zu begr&amp;uuml;&amp;szlig;en, wenn sich noch weitere Gelegenheiten ergeben, eine interessierte &amp;Ouml;ffentlichkeit mit ihren Bildern bekanntzumachen. An dieser Stelle sei auch empfohlen, ein wenig im Skug-Archiv (sra.at) zu st&amp;ouml;bern und k&amp;uuml;nftig bei den Fotocredits einfach mal zu schauen, ob das Bild aus der Linse Petra Mosers stamt.&lt;br&gt;Einen anderen Wunsch konnte Petra Moser &amp;ndash; &amp;uuml;berraschend problemlos &amp;ndash; jedenfalls bereits von ihrer Bucketlist streichen: Die Aufnahmen einer Salzburger Jedermann-Auff&amp;uuml;hrung (konkret: der mit Lars Eidinger) sind bereits im Kasten.&amp;nbsp; &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Petra Mosers Ausstellung &amp;bdquo;Nahaufnahmen von der B&amp;uuml;hnenkante&amp;ldquo; ist die dritte Ausgabe der SRA-Reihe &lt;/em&gt;Close-Up. &lt;em&gt;Gezeigt wird sie im Schauraum des SR-Archiv &amp;ouml;sterreichischer Popularmusik im Museumsquartier (Museumsplatz 1/5, 1070 Wien). Sie beginnt am 23 .09. 2026, 18:00 h und wird bis 01. 12 2026 zu sehen sein. Mehr Informationen auf&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://www.mqw.at/de/programm/ausstellungen/mq-schauraume/petra-moser-nahaufnahmen-von-der-buhnenkante" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;www.mqw.at/de/programm/ausstellungen/mq-schauraume/petra-moser-nahaufnahmen-von-der-buhnenkante&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Petra Moser&lt;/strong&gt; *1979, lebt und arbeitet in Linz.&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Freischaffende Fotografin mit Fokus auf B&amp;uuml;hnenfotografie (seit 2011), Musikredakteurin bei Radio FRO (seit 2001).&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;Petra Moser studierte an der Kunstuniversit&amp;auml;t Linz. In ihrer Arbeit bewegt sie sich nah am Geschehen und f&amp;auml;ngt das ein, was zwischen Ausdruck und Raum entsteht. Sie interessiert weniger die perfekte Pose als die echte Energie auf der B&amp;uuml;hne &amp;ndash; roh und lebendig. Ob Theater, Performance oder Konzert: sie sucht den Moment, der bleibt und die Erz&amp;auml;hlung in einem statischen Bild. F&amp;uuml;r die Ausstellung im SRA hat sie in ihrem Archiv gegraben und Bilder ausgesucht, die versuchen, Musik visuell sp&amp;uuml;rbar zu machen. Ohne Anspruch auf die Abbildung der kompletten &amp;ouml;sterreichischen Musikszene. Aber das w&amp;auml;re sowieso unm&amp;ouml;glich.&amp;nbsp;&lt;br&gt;&lt;a href="https://petra.servus.at" target="_blank" rel="noopener"&gt;petra.servus.at&amp;nbsp;&lt;/a&gt;&lt;br&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>How to:  Glitching &amp; Leaking around</title><link href="http://diereferentin.servus.at/how-to-glitching-leaking-around/" rel="alternate"/><author><name>Aimilia Liontou</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/how-to-glitching-leaking-around/</id><summary type="html">Glitch&amp;Leak findet als Projekt von Fiftitu% im September im öffentlichen Raum statt. Dabei geht es um mehr als die temporäre Transformation der Straße
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Glitch&amp;amp;Leak &lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;findet als Projekt von &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Fiftitu% &lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;im September im &amp;ouml;ffentlichen Raum statt. Dabei geht es um mehr als die tempor&amp;auml;re Transformation der Stra&amp;szlig;e in einen Veranstaltungsort. Aimilia Liontou hat mit Rebekka Hochreiter und Adriana Torres Topaga gesprochen &amp;ndash; &amp;uuml;ber Glitch Feminism und die Frage, ob neue Technologien nicht nur unsere Privatsph&amp;auml;re reduzieren, sondern auch unsere M&amp;ouml;glichkeit, uneindeutig zu bleiben.&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/flyer_glitch-leak__a5_11-9-26_medium.jpg" alt="Glitch&amp;amp;Leak" width="685" height="972"&gt;&lt;br&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;&amp;copy; Fiftitu%&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;A &lt;strong&gt;glitch&lt;/strong&gt; is a brief, unexpected and minor malfunction that prevents something from functioning properly. Although it is a common tech problem, it is completely unpredictable, but can be resolved either by itself or by restarting the device/app ect. Some common examples of glitch are frozen frames, video&amp;amp;sound sync issues or unexpected shutdowns. Inspired by the unique nature of glitch, Legacy Russell coins the term: glitch feminism &amp;ndash; the failure and refusal to perform according to heteronormativity standards. She argues that internet, even with the introduction of web 2.0 is still a place that allows &amp;bdquo;glitches&amp;ldquo; to happen and upset the systems of race, gender, sexuality, class, ability, and more.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wikipedia describes the public space as &amp;bdquo;a place that is open and accessible to the general public&amp;ldquo;. But how true is this? We know from our own experiences, that the public space is not equally open and accessible to every body. On the contrary, the heteronormative urban planning expects people of color, FLINTA*, LGBTQI+ and people with visible or invisible disabilities to have a pre-determined position, visibility and behaviour within the city.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;Tau;he new project of Fiftitu% intends to disrupt those binary-obsessed and oppressive systems we encounter in public spaces by introducing small failures, errors and malfunctions. &lt;span style="color: rgb(22, 145, 121);"&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;&amp;bdquo;Glitch und Leak&lt;/em&gt; &lt;/strong&gt;ist eine Einladung, gemeinsam einen Raum zu &amp;ouml;ffnen: einen Raum der St&amp;ouml;rung, der Durchl&amp;auml;ssigkeit und der kollektiven Imagination und Transformation. Ausgehend von Legacy Russells Verst&amp;auml;ndnis von &lt;em&gt;Glitch Feminism&lt;/em&gt; begreifen wir den Glitch nicht als Fehler im System, sondern als widerst&amp;auml;ndige Strategie, wo Fehler und St&amp;ouml;rungen willkommen sind.&amp;ldquo;&lt;/span&gt;&amp;nbsp;This says Adriana Torres Topaga who together with Rebekka Hochreiter are the curators behind the project. Unlike the usual open call-based projects, 'Glitch and Leak' was initiated back in May and has been developed through various events (such as a read&amp;amp;connect), culminating in a run(a)way: a performative and collective intervention in the public space of Domgasse on 11 September. When asked about their decision to structure the project in different &amp;bdquo;stages&amp;ldquo;, Rebekka comments: &lt;span style="color: rgb(22, 145, 121);"&gt;&amp;bdquo;Uns war es wichtig, bereits vor der Veranstaltung Beteiligung am Projekt zu erm&amp;ouml;glichen und auch den Austausch in den Veranstaltungstag einflie&amp;szlig;en zu lassen; beispielsweise mit einem Workshop im Vorfeld die Zug&amp;auml;nglichkeit zur Einreichung zu erweitern.&amp;ldquo;&lt;/span&gt; And Adriana adds: &lt;span style="color: rgb(22, 145, 121);"&gt;&amp;bdquo;Dabei geht es uns um mehr als die tempor&amp;auml;re Transformation der Stra&amp;szlig;e in einen Veranstaltungsort. Der &amp;ouml;ffentliche Raum ist nie neutral: Er ist von sozialen, politischen und &amp;ouml;konomischen Machtverh&amp;auml;ltnissen gepr&amp;auml;gt und wird unterschiedlich genutzt, zug&amp;auml;nglich gemacht und erfahren. Mit &lt;em&gt;Glitch &amp;amp; Leak&lt;/em&gt; wollen wir diese Ordnungen sichtbar machen, irritieren und gemeinsam nach M&amp;ouml;glichkeiten suchen, sie zu ver&amp;auml;ndern.&amp;ldquo;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Glitch &amp;amp; Leak are both terms associated (mainly) with the internet and the digital space. For Russell it was the early internet&amp;rsquo;s anonymity, that allowed her to experiment and stretch the limits of her blackness, queerness, and femmeness. A common mistake is to think of the physical and digital spaces as two separate worlds, where our online self is an inauthentic construction of our &amp;bdquo;in real life&amp;ldquo;(IRL) one &amp;ndash; a kind of 'what happens online stays online'. However, Nathan Jurgenson disagrees with the &amp;bdquo;digital dualism&amp;ldquo; and suggest that both the off- and online personalities are rather part of the same personhood. In order to highlight this continuity, he suggest to use the term AFK (away from keybord) instead of IRL. Russell agrees with him and further developes this idea: when the conditions in the AFK world don&amp;rsquo;t allow it, the internet is (still) a place where bodies can be liberated through glitches. At the same time, she recognizes that the internet was designed with the same white capitalist heteropatriarchal ideas, therefore it incorporates the same oppressive mechanisms as our society. In case of the Glitch&amp;amp;Leak, the project takes place AFK. When asked about this decision Adriana replies: &lt;span style="color: rgb(22, 145, 121);"&gt;&amp;bdquo;Mit &lt;em&gt;Glitch&amp;amp;Leak&lt;/em&gt; wird der physische Raum nicht zum Gegenst&amp;uuml;ck des digitalen Raums, sondern zu einem Ort, an dem sich &amp;auml;hnliche Fragen nach Kontrolle, Sichtbarkeit, Durch&amp;shy;l&amp;auml;ssigkeit und Zugeh&amp;ouml;rigkeit stellen. Der Glitch und der Leak werden zu Strategien, um den &amp;ouml;ffentlichen Raum tempor&amp;auml;r anders zu codieren &amp;ndash; und vielleicht sichtbar zu machen, dass auch seine Regeln ver&amp;auml;nderbar sind.&amp;ldquo; &lt;span style="color: rgb(0, 0, 0);"&gt;And Rebekka continous:&amp;nbsp;&lt;/span&gt; &amp;bdquo;Meiner Meinung nach machen wir zu gro&amp;szlig;e Unterschiede zwischen dem analogen und dem digitalen Raum. Ich denke, sie flie&amp;szlig;en viel mehr ineinander als uns bewusst ist, aber sie werden unterschiedlich bewertet. Viele Ausdrucksformen und Vernetzungen finden M&amp;ouml;glichkeiten im Internet und k&amp;ouml;nnen dann in den analogen Raum einflie&amp;szlig;en. Beide R&amp;auml;ume haben gemeinsam, dass es um Zul&amp;auml;nglichkeiten und um Sichtbarkeit geht.&amp;ldquo;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/kick_off_g-l20260513_183728_detail_rebekkahochreiter_medium.jpg" alt="Fiftitu%" width="617" height="704"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Fiftitu% in der Domgasse. Kickoff im Vorfeld, am rechten unteren Bildrand. &amp;copy; Rebekka Hochreiter&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;When it comes to public space and visibility, my mind goes to the flaneur, a white cisgender abled male figure, who had the social freedom and safety to stroll leisurely through the city. Except of having the privilege of free time (no need to work) he had another one: he was able to observe the city (and its people) without being noticed. Good for him, but we know that when bodies do not meet the above criteria, then they should behave according to specific predetermined social mores. Russell describes it as an unconsented visibility &amp;ndash; the gaze of the others is always there to surveil us and remind us how we should position ourselves. The question is, is there a way to clab back or &amp;bdquo;gaze back&amp;ldquo;? Dazu Adriana:&amp;nbsp; &lt;span style="color: rgb(22, 145, 121);"&gt;&amp;bdquo;Ja, wir glauben, dass es M&amp;ouml;glichkeiten gibt, &amp;bdquo;zur&amp;uuml;ckzustarren&amp;ldquo; &amp;ndash; aber nicht unbedingt, indem wir die bestehenden Machtverh&amp;auml;ltnisse mit denselben Mitteln spiegeln. So gibt es selbst in einer Welt, in der der Algorithmus darauf abzielt, uns zu lesbaren, klassifizierbaren und vorhersehbaren K&amp;ouml;rpern zu machen, eine M&amp;ouml;glichkeit des Widerstands: nicht zuzulassen, dass der Blick von au&amp;szlig;en uns definiert. In diesem Sinne verstehen wir den Glitch als eine Form des Zur&amp;uuml;ckblickens. Es st&amp;ouml;rt die gewohnten Blick- und Verhaltensregime und schafft f&amp;uuml;r einen Moment die M&amp;ouml;glichkeit, nicht nur gesehen und bewertet zu werden, sondern selbst zu schauen, zu handeln und den Raum mitzugestalten. &lt;em&gt;Glitch&amp;amp;Leak&lt;/em&gt; m&amp;ouml;chte genau solche Momente erm&amp;ouml;glichen, Momente in denen wir den Blick zur&amp;uuml;ckgeben und die Frage stellen: Wem geh&amp;ouml;rt der &amp;ouml;ffentliche Raum eigentlich?&amp;ldquo;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Recently, Meta chose Kylie Jenner (a white, cis straight woman) as the ambassador for the new Meta AI Glasses. The campaign focuses on the fact that these are the first and only AI glasses with Meta AI, voiced by Kylie (Jenner). Except this &amp;bdquo;innovation&amp;ldquo;, the glasses can capture high-quality photos and videos. A not-so-easy-to-notice light, indigates when the glasses are recording and yet many men searching in the internet how to hide it. It seems like the boundaries between online and AFK are becoming increasingly blurred, while our data are leaking constantly from one side to the other and vice versa, most times without our consent. It seems as though the constant introduction of surveillance technology is a way of minimising a 'glitch' in the system, so that people remain within the binary.&amp;nbsp; &lt;span style="color: rgb(22, 145, 121);"&gt;Rebekka: &amp;bdquo;Es ist nicht nur &amp;Uuml;berwachung, sondern im Beispiel der Meta-Brillen geht es um Aus&amp;uuml;bung von Gewalt. Es ist eine gleichzeitige Gewaltaus&amp;uuml;bung im analogen und digitalen Raum. Flinta*-Personen werden gefilmt, ohne es zu wissen, und wenige Stunden sp&amp;auml;ter landet das Material beispielsweise mit abwertenden Kommentaren &amp;uuml;ber ihre K&amp;ouml;rper online. Es ist Gewalt, die in beiden R&amp;auml;umen gleichzeitig wirkt. Und sie ver&amp;auml;ndert, wie wir uns in beiden R&amp;auml;umen bewegen k&amp;ouml;nnen. Auch die Binarit&amp;auml;t wird mit Gewalt hergestellt und es gibt zahlreiche Wege, wie versucht wird, diese aufgezwungene Binarit&amp;auml;t zu erhalten. In mehreren L&amp;auml;ndern erleben wir gerade, wie von Seiten von Regierungen und Parteien versucht wird, festzuschreiben, dass nur (Cis-)M&amp;auml;nner und (Cis-)Frauen existieren. Die Binarit&amp;auml;t zu hinterfragen ist ein Glitch. Und es ist sicher kein Zufall, dass aktuell z. B. auf Instagram viele queer-feministische Seiten gesperrt werden.&amp;ldquo; &lt;span style="color: rgb(0, 0, 0);"&gt;&amp;nbsp;Adriana also agrees: &lt;/span&gt;&amp;bdquo;Ich denke schon, dass permanente &amp;Uuml;berwachung dazu beitragen kann, den Glitch im System zu minimieren. Wenn Algorithmen immer mehr &amp;uuml;ber unsere K&amp;ouml;rper, unser Aussehen, unsere Stimme und unser Verhalten wissen, k&amp;ouml;nnen sie uns immer genauer einordnen und kategorisieren. Gerade die Dinge, die nicht eindeutig sind oder nicht in die bin&amp;auml;ren Kategorien passen, werden dadurch sichtbarer und leichter kontrollierbar. Gerade der Glitch widersetzt sich &amp;ndash; als M&amp;ouml;glichkeit, sich dieser Eindeutigkeit zu entziehen. Der Glitch bedeutet, dass etwas nicht so funktioniert, wie das System es erwartet &amp;ndash; und genau darin kann Widerstand liegen: sichtbar zu werden, wo Unsichtbarkeit erwartet wird; zu bleiben, wo man weitergehen soll; laut zu sein, wo Zur&amp;uuml;ckhaltung erwartet wird; und sich mit anderen zu verb&amp;uuml;nden, statt sich individuell an die vorgegebenen Regeln anzupassen. F&amp;uuml;r mich stellt sich deshalb die Frage, ob Technologien wie die Meta AI Glasses nicht nur unsere Privatsph&amp;auml;re reduzieren, sondern auch unsere M&amp;ouml;glichkeit, &lt;strong&gt;uneindeutig, anonym oder au&amp;szlig;erhalb vorgegebener Identit&amp;auml;ten zu existieren. &lt;/strong&gt;Vielleicht ist der Glitch also nicht etwas, das das System einfach beseitigen kann, sondern etwas, das wir bewusst aufrechterhalten m&amp;uuml;ssen.&amp;ldquo;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img src="../../../../../media/_versions/img_2136__oona_valarie_serbest_medium.jpg" alt="Austausch im Vorfeld des Projekts" width="800" height="536"&gt;&lt;br&gt;&lt;span style="font-size: 10pt;"&gt;Austausch im Vorfeld des Projekts. &amp;copy; Oona Valarie Serbest&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;It is true that we are currently experiencing a hyper-visibility, where the algorithm know us better than we know ourselves. The last edition of AMRO26 Festival focused on &amp;bdquo;Becoming Unreadable&amp;ldquo; &amp;ndash; our right as users (and citizens) to say no to the extractive surveillance tech. At the same time, FLINTA* / LGBTQI+, POC and disabled bodies are fighting for more visibility. An important question to consider is whether there is a space for the glitch to become whatever they want, but at the same time stay unreadable. Adriana comments:&amp;nbsp;&lt;span style="color: rgb(22, 145, 121);"&gt;&amp;bdquo;Ich glaube, dass es in der Natur des Glitches selbst eine gewisse Unangreifbarkeit gibt &amp;ndash; ein st&amp;auml;ndiges Streben danach, sich einer eindeutigen Kategorisierung zu entziehen. Der Glitch ist f&amp;uuml;r mich gerade das, was sich nicht ganz fassen, definieren oder stabilisieren l&amp;auml;sst. Er kann seine Form ver&amp;auml;ndern, sich verschieben und den Erwartungen des Systems entkommen. Im Sinne von Legacy Russell k&amp;ouml;nnte der Glitch-K&amp;ouml;rper genau in dieser Spannung existieren: sichtbar sein, wenn er sichtbar sein m&amp;ouml;chte, und sich der Lesbarkeit entziehen, wenn er das m&amp;ouml;chte. Vielleicht bedeutet &amp;sbquo;unreadable&amp;lsquo; deshalb nicht, unsichtbar zu sein. Es bedeutet vielmehr, nicht vollst&amp;auml;ndig entschl&amp;uuml;sselbar zu sein. Ich stelle mir den Ort daf&amp;uuml;r weniger als einen physischen Raum vor, sondern als eine Praxis: kollektive R&amp;auml;ume, Kunst, Performance, Verschl&amp;uuml;sselung, bewusste Datenverweigerung, aber auch Formen von Identit&amp;auml;t, die sich nicht eindeutig festlegen lassen. Ein Raum, in dem wir experimentieren k&amp;ouml;nnen, verschiedene Dinge zu sein, ohne dass jede Ver&amp;auml;nderung sofort als Datenpunkt erfasst und ausgewertet wird. F&amp;uuml;r mich w&amp;auml;re der Glitch-K&amp;ouml;rper dann nicht ein K&amp;ouml;rper, der unsichtbar wird, sondern einer, der sagt:&amp;nbsp;&lt;strong&gt;Du kannst mich sehen, aber du kannst mich nicht vollst&amp;auml;ndig definieren.&amp;ldquo;&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;On 11th September Domgasse will become for a &amp;bdquo;brief moment&amp;ldquo; a place where gliches are not only allowed but also embrassed. As both curators agree, this is not just an event for presenting or celebrating the Glitch, but as Adriana comments: rather to provide impetus, forge connections, and sow &amp;ldquo;seeds&amp;rdquo; for further forms of appropriation, resistance, and change in public space &amp;ndash; beyond September. It is true that Glitch feminism can teach us many things, but maybe the most important one is our right to be faulty. This is particularly important at a time when everything revolves around having 'great genes' and being intelligent. Glitch is here to teach us empathy and solidarity. &amp;nbsp; &amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;More about the Project:&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://fiftitu.at/de/projekte/glitch-leak-overflowing-bodies-im-oeffentlichen-raum" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;fiftitu.at/de/projekte/glitch-leak-overflowing-bodies-im-oeffentlichen-raum&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;FIFTITU%&lt;/strong&gt; ist eine 1998 gegr&amp;uuml;ndete Vernetzungs- und Beratungsstelle zur F&amp;ouml;rderung und Unter&amp;shy;st&amp;uuml;tzung von Frauen, trans-, inter- und nicht-bin&amp;auml;ren Personen in der Kunst- und Kulturszene.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Adriana Torres Topaga,&lt;/strong&gt; geboren 1969 in Bogot&amp;aacute; (Kolumbien), lebt und arbeitet in Linz/O&amp;Ouml;. Adriana Torres Topaga erforscht Widerstandspraxen und&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br&gt;&lt;em&gt;dekolonialen Perspektiven. In ihrer k&amp;uuml;nstlerischen Praxis verfolgt sie sozio-&amp;ouml;kologische Reflexion und Transformation, interdisziplin&amp;auml;re Interaktion, kollektives Schaffen und ihr Interesse an der Nutzung verschiedener Technologien und Medien. Mitbegr&amp;uuml;nderin des Kollektivs fem* voice kollektiv f*vk und des LAB ON STAGE Verein f&amp;uuml;r performative Kunst, Raum &amp;amp; Designstrategien.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Rebekka Hochreiter &lt;/strong&gt;ist bildende K&amp;uuml;nstlerin und Kulturarbeiterin. In ihrer k&amp;uuml;nstlerischen Praxis untersucht sie, wie K&amp;ouml;rper, Sprache und Materialit&amp;auml;t mit gesellschaftlichen Normen, Erinnerungskulturen und dem Phantastischen verflochten sind. Seit 2020 ist sie stellvertretende Gesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrerin von FIFTITU%, und ist Mitbegr&amp;uuml;nderin des queer-feministischen Medienclubs M.C.Monster*.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry><entry><title>Was ist OLFAC und Olfactormativity?</title><link href="http://diereferentin.servus.at/was-ist-olfac-und-olfactormativity/" rel="alternate"/><author><name>Tanja Brandmayr</name></author><id>http://diereferentin.servus.at/was-ist-olfac-und-olfactormativity/</id><summary type="html">OLFAC ist ein transdisziplinäres Projekt, das an der Kunstuniversität Linz angesiedelt ist und von Silke Felber geleitet wird. Ziel ist es, eine
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;OLFAC ist ein transdisziplin&amp;auml;res Projekt, das an der Kunstuniversit&amp;auml;t Linz angesiedelt ist und von Silke Felber geleitet wird. Ziel ist es, eine Theorie der olfaktorischen Performativit&amp;auml;t zu entwickeln. Tanja Brandmayr befragt Silke Felber &amp;uuml;ber die kulturelle und politische Dimension des Geruchs, sowie eine fast zusammengekommene Kooperation.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Silke, vielleicht kannst du uns kurz einen &amp;Uuml;berblick geben, was OLFAC ist, seit wann das Projekt l&amp;auml;uft und was die Forschungsfragen sind. OLFAC hat ja den Geruch als zentrales Thema &amp;ndash; und verfolgt interdisziplin&amp;auml;re Ans&amp;auml;tze zwischen Kunst und Politik, was ich gelesen habe. In euren Zusammenh&amp;auml;ngen ist etwa auch von Olfactormativity die Rede &amp;hellip;&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;Ein Zungenbrecher, oder? &amp;bdquo;Olfactormativity&amp;ldquo; &amp;ndash; zusammengesetzt aus &amp;bdquo;olfaction&amp;ldquo; und &amp;bdquo;performativity&amp;ldquo; &amp;ndash; ist ein Arbeitsbegriff, den ich vorgeschlagen habe, um die spezifische Wirkmacht von Ger&amp;uuml;chen zu beschreiben. Er gibt dem Projekt &amp;bdquo;Olfactormativity: Exploring the Intervening Performativity of Smell&amp;ldquo;, kurz OLFAC, seinen Namen. Das Projekt wird durch einen ERC Consolidator Grant des Europ&amp;auml;ischen Forschungsrats gef&amp;ouml;rdert, eine der begehrtesten und h&amp;ouml;chstdotierten F&amp;ouml;rderungen f&amp;uuml;r potenziell bahnbrechende Forschung, die theoretisch oder methodisch neue Wege beschreitet. F&amp;uuml;r uns, d.h. f&amp;uuml;r Freda Fiala, Julia Ostwald, Antonia Kar&amp;aacute;csonyi und mich, bedeutet sie vor allem die seltene Freiheit, eine zun&amp;auml;chst ungew&amp;ouml;hnlich erscheinende Frage langfristig und konsequent &amp;uuml;ber F&amp;auml;chergrenzen hinweg zu verfolgen.&lt;br&gt;Ausgangspunkt unseres Projekts ist die Frage, inwiefern Geruchswahrnehmung als performativ verstanden werden kann: Wie bringen wiederholte Praktiken des Beduftens, Verpestens, aber auch Riechens, Wissen, Identit&amp;auml;ten und soziale Ordnungen oder auch Unordnungen hervor? Wie werden Geruchsmolek&amp;uuml;le in unterschiedlichen historischen und geografischen Kontexten wirksam &amp;ndash; f&amp;uuml;r wen und mit welchen Folgen? Wir untersuchen dazu olfaktorische Techniken und Technologien, aber auch konkrete, riechbare Materialien. Zum Beispiel sehen wir uns an, welche Gew&amp;uuml;rze oder tierischen &amp;bdquo;Duftstoffe&amp;ldquo; unter welchen, mitunter kolonialen oder extraktivistischen Bedingungen nach Europa transportiert worden sind, um hier medizinische, spirituelle oder politische Wirkungen zu entfalten. Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie Ger&amp;uuml;che Menschen buchst&amp;auml;blich bewegen, also affektiv und motorisch, und was das f&amp;uuml;r k&amp;uuml;nstlerische Ans&amp;auml;tze, aber auch f&amp;uuml;r den polizeilichen oder milit&amp;auml;rischen Einsatz von Ger&amp;uuml;chen bedeutet.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wir haben ja im Vorfeld schon mal gesprochen. Und wir sind auf den Aspekt der Erinnerung gekommen &amp;ndash; Stichwort &amp;bdquo;Proust-Effekt&amp;ldquo;: Geruch als unbestechliches Ged&amp;auml;chtnis; Erinnerungen, die auch pl&amp;ouml;tzlich in die Gegenwart einbrechen k&amp;ouml;nnen. Ger&amp;uuml;che erinnern aber nicht nur individuell, sondern triggern auch das kulturelle Bewusstsein. Und Geruch ist auch ganz klar ein biologischer Marker und neurologischer Lernfaktor, nicht?&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;Ger&amp;uuml;che k&amp;ouml;nnen Erinnerungen tats&amp;auml;chlich &amp;uuml;berraschend unmittelbar aktualisieren. Dennoch w&amp;uuml;rde ich sie nicht als &amp;bdquo;unbestechliches Ged&amp;auml;chtnis&amp;ldquo; bezeichnen. Auch olfaktorische Erinnerungen sind keine unver&amp;auml;nderten Speicherungen der Vergangenheit. Sie werden in der Gegenwart rekonstruiert und sind durch Biografie, k&amp;ouml;rperliche Erfahrung, Umweltreize, Sprache und kulturelles Wissen, aber auch durch politische und religi&amp;ouml;se Systeme gepr&amp;auml;gt.&lt;br&gt;Uns interessiert deshalb gerade das Zusammenspiel kognitiver, biologischer, biografischer, kultureller und politischer Faktoren. Das zeigt sich besonders deutlich an hedonischen Urteilen, die tendenziell bin&amp;auml;r organisiert sind: d. h. wir neigen dazu, einen Geruch als &amp;bdquo;gut&amp;ldquo; oder &amp;bdquo;schlecht&amp;ldquo;, etwas als &amp;bdquo;duftend&amp;ldquo; oder &amp;bdquo;stinkend&amp;ldquo; zu bewerten. Solche Urteile m&amp;ouml;gen uns vielleicht als unmittelbar und nat&amp;uuml;rlich erscheinen, sind aber keineswegs rein biologisch determiniert. Sie werden mitunter auch durch kommerzielle Interessen gepr&amp;auml;gt und gezielt ins Feld gef&amp;uuml;hrt, um Konsumentscheidungen zu beeinflussen. Ich nenne als Beispiel gerne den salzigen Geruch von Meeresluft, der von vielen mit Urlaub, Freiheit oder Erholung verbunden wird &amp;ndash; und entsprechend in der Wellnessindustrie zum Einsatz kommt. F&amp;uuml;r Menschen, die eine lebensbedrohliche Flucht &amp;uuml;ber das Meer erlebt haben, kann dieser Geruch allerdings potenziell traumatisierende Erinnerungen und Gef&amp;uuml;hle ausl&amp;ouml;sen. Was ein olfaktorischer Reiz bedeutet, h&amp;auml;ngt also wesentlich davon ab, wo, wann, von wem und unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen er wahrgenommen wird.&amp;nbsp;&lt;br&gt;Hinzu kommt, dass schon die Annahme, Ger&amp;uuml;che lie&amp;szlig;en sich nicht differenziert beschreiben, eurozentrisch gepr&amp;auml;gt ist. Einige Sprachen verf&amp;uuml;gen &amp;uuml;ber ein wesentlich breiteres abstraktes Geruchsvokabular &amp;ndash; etwa die indigene Gemeinschaft der Jahai, die Ger&amp;uuml;che &amp;auml;hnlich konsistent benennen wie Farben. In unserem Projekt beziehen wir entsprechend neurobiologische und psychologische Forschung ein, und bereichern sie mit Ans&amp;auml;tze der Kulturwissenschaften und der Performance Studies.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zwei vermischte Fragen: In eigenen k&amp;uuml;nstlerischen Arbeitszusammenh&amp;auml;ngen bzw. in Projekten mit Kolleg:innen stellt sich immer wieder die zentrale Frage, was Bewusstsein ist. Vermutlich eine der letzten gro&amp;szlig;en, nicht quantifizierbaren Fragen. Besch&amp;auml;ftigt ihr euch etwa mit dem Thema Geruch und Bewusstsein? Und, zweiter Teil der vermischten Frage: Geruch ist sehr stark an die individuelle Wahrnehmung gebunden, ein Hort des Privaten und Intimen, der direkten Begegnung. Stellt Geruch in dieser Individualit&amp;auml;t bzw. Unmittelbarkeit sogar etwas Widerst&amp;auml;ndiges dar?&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;Ja, Geruch f&amp;uuml;hrt sehr direkt zu der Frage, was wir unter Bewusstsein verstehen. Vieles am Riechen geschieht, bevor wir einen Geruch benennen oder bewusst einordnen k&amp;ouml;nnen. Er ver&amp;auml;ndert unsere Aufmerksamkeit, kann uns anregen oder absto&amp;szlig;en; und er kann dabei k&amp;ouml;rperliche Reaktionen ausl&amp;ouml;sen, die sich sprachlicher Kontrolle teilweise entziehen. Gleichzeitig ist diese vermeintliche Unmittelbarkeit nicht au&amp;szlig;erhalb des Sozialen angesiedelt: Auch das intime Empfinden ist durch Erfahrungen, Normen und gelernte Kategorien gepr&amp;auml;gt. Geruch ist also niemals automatisch widerst&amp;auml;ndig &amp;ndash; ich w&amp;uuml;rde ihn vielmehr als eine molekulare Wolke fassen, die von uns Riechenden immer und immer wieder neu mit Bedeutung gef&amp;uuml;llt wird. Vor diesem Hintergrund kann das Olfaktorische soziale Ordnungen stabilisieren, etwa wenn K&amp;ouml;rper oder Orte als &amp;bdquo;unsauber&amp;ldquo; oder &amp;bdquo;fremd&amp;ldquo; markiert werden. Es kann solche Ordnungen aber auch irritieren, weil Ger&amp;uuml;che dazu tendieren, sich unkontrollierbar zu verbreiten, und weil sie sich nur schwer auf Distanz halten lassen. Genau in dieser Spannung liegt f&amp;uuml;r unser ERC-Projekt das politische und &amp;auml;sthetische Potenzial: Geruch kann Normen verk&amp;ouml;rpern, aber m&amp;ouml;glicherweise auch dazu beitragen, sie zu verlernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ich springe damit in die stinkende Performanz von Ger&amp;uuml;chen, die gezielt als Sabotage eingesetzt werden &amp;ndash; und beginne mit einem leicht grotesken Ph&amp;auml;nomen, dem des Pornoj&amp;auml;gers Martin Humer, der sich in &amp;Ouml;sterreich &amp;uuml;ber Jahrzehnte bis zu seinem Tod 2011 dem Kampf gegen Amoral und Schweinkram aller Art verschrieben hat. Es muss so um 1990 gewesen sein, als er in meiner h&amp;ouml;chstpers&amp;ouml;nlich besuchten Linzer Videothek, bzw. in deren Porno-Abteilung, Butters&amp;auml;ure ausgegossen hat. So wurde es zumindest erz&amp;auml;hlt. Jedenfalls hat es in der Videothek dann &amp;uuml;ber Jahre penetrant ekelhaft gerochen &amp;ndash; und man wollte gar nicht mehr hingehen. Mittlerweile gibts ja schon l&amp;auml;ngst keine Videotheken mehr, so viel da&amp;shy;zu. Aber was sind die Ger&amp;uuml;che oder auch die St&amp;ouml;rger&amp;uuml;che unserer Zeit, die heute gezielt strategisch eingesetzt werden und mit denen wir uns zu besch&amp;auml;ftigen haben? Was ist im Zusammenhang mit OLFAC etwa gemeint, wenn von der politischen Bedeutung oder auch strategischen Nutzung von Ger&amp;uuml;chen die Rede ist? Und um auf ein heftigeres Beispiel zu kommen: Was ist etwa &amp;bdquo;Skunk Water&amp;ldquo; und wie wird es eingesetzt?&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;Dein Beispiel ist wirklich anriechlich. Es zeigt sehr gut, was ich mit der politischen oder strategischen Nutzung von Geruch meine: Ein als st&amp;ouml;rend empfundener Geruch wirkt grunds&amp;auml;tzlich &amp;uuml;ber den Moment und den Ort seiner Quelle hinaus und hat oft eine lange Halbwertszeit. Das hei&amp;szlig;t, er kann sich an R&amp;auml;ume und K&amp;ouml;rper heften, Zug&amp;auml;nge verhindern oder auch bestimmte Orte mit Ekel, Scham oder Gefahr kontaminieren. Geruch wird damit potenziell zu einer Technik der Vertreibung und Kontrolle &amp;ndash; aber auch der Stigmatisierung. Politisch entscheidend ist dabei nicht nur, dass etwas stinkt, sondern wer einen Geruch verbreiten darf, wer ihm ausgesetzt wird und wie lange seine Wirkung anh&amp;auml;lt. Ein besonders drastisches Beispiel ist tats&amp;auml;chlich &amp;bdquo;Skunk Water&amp;ldquo;, eine in Israel entwickelte, extrem &amp;uuml;belriechende Fl&amp;uuml;ssigkeit zur Kontrolle und Vertreibung von Menschen, die haupts&amp;auml;chlich &amp;uuml;ber Wasserwerfer verspr&amp;uuml;ht wird und die tagelang an Haut, Kleidung und Gegenst&amp;auml;nden riechbar bleibt. Dokumentiert sind Eins&amp;auml;tze gegen pal&amp;auml;stinensische Proteste im Westjordanland und in Ostjerusalem sowie gegen ultraorthodoxe j&amp;uuml;dische Demonstrierende, etwa bei Demonstrationen gegen die Wehrpflicht. Vor allem sind aber auch immer wieder Wohnh&amp;auml;user, Gesch&amp;auml;fte und ganze Stra&amp;szlig;enz&amp;uuml;ge damit bespr&amp;uuml;ht worden. Dadurch wird aus einem vermeintlich &amp;bdquo;nicht t&amp;ouml;dlichen&amp;ldquo; Mittel eine Form sensorischer Bestrafung, die weit &amp;uuml;ber die Zerstreuung einer Menschenmenge hinausreicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ich komme zur Frage: Wie riecht Blut? Die Frage entstand in einem Gespr&amp;auml;ch zwischen uns, als wir uns &amp;uuml;ber bestimmte Projektkontexte ausgetauscht haben. Ich lasse hier alle Details weg. Und ich muss auch gleich vorneweg sagen, dass es zur spontan angedachten Kooperation nicht gekommen ist, weil die Zeitpl&amp;auml;ne letztenendes zu voll waren. Aber hier trotzdem exemplarisch und hypothetisch: Wir nehmen an, unsere Koop w&amp;auml;re was geworden, mit der Fragestellung: Wie riecht Blut? Wie w&amp;auml;rt ihr das Projekt mit dem Hintergrund der T&amp;auml;tigkeiten und Schwerpunkte von OLFAC angegangen?&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;Hm, hm. Ich denke, wir h&amp;auml;tten zun&amp;auml;chst die Frage selbst verschoben, also weg von &amp;bdquo;Wie riecht Blut?&amp;ldquo; zu: Wessen Blut wird &amp;uuml;berhaupt wahrgenommen, betrauert und erinnert &amp;ndash; und wessen Blut bleibt unriechbar oder wird politisch geruchlos gemacht? Blut riecht ja nicht einfach &amp;bdquo;metallisch&amp;ldquo;, sondern immer auch nach den Bedingungen, unter denen K&amp;ouml;rper verletzt werden, unter denen sie Ausbeutung erfahren oder auch geopfert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ich komme damit zur letzten, wieder weniger spekulativen Frage, was die n&amp;auml;chsten Vorhaben von OLFAC sind: Wo gibt es im Herbst/Winter &amp;ouml;ffentlich etwas zu sehen oder zu h&amp;ouml;ren?&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;H&amp;ouml;ren ist ein gutes Stichwort: Ich lade alle sehr herzlich ein, in den OLFAC-Podcast hineinzuh&amp;ouml;ren, der im Rahmen der Reihe &amp;bdquo;Kultur denken&amp;ldquo; des ifk (Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften) entstanden ist: &lt;a href="https://kultur-denken.podigee.io" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;kultur-denken.podigee.io&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; In den Gespr&amp;auml;chen geht es um die politischen, historischen und k&amp;uuml;nstlerischen Dimensionen des Riechens. Unter anderem ist darin Gwenn-A&amp;euml;l Lynn zu h&amp;ouml;ren, dey im Fr&amp;uuml;hjahr 2027 als Artist in Residence bei OLFAC in Linz zu Gast sein wird. Gwenn fragt etwa danach, was von menschlichem Leben und sinnlichem Genuss &amp;uuml;brig bleibt, wenn sich einige wenige Freaks auf Planeten zur&amp;uuml;ckziehen, auf denen es keine atembare Atmosph&amp;auml;re gibt und sich daher weder Geruchsmolek&amp;uuml;le noch Schallwellen auf die uns vertraute Weise ausbreiten k&amp;ouml;nnen. Aber zur&amp;uuml;ck auf die Erde und zu den Pl&amp;auml;nen von OLFAC: Ich freue mich rie&amp;shy;sig, dass Forensic Architecture unserer Einladung gefolgt ist und am 16. November an der Kunstuniversit&amp;auml;t Linz zu Gast sein wird. Und &amp;uuml;ber alle anderen sch&amp;ouml;nen Dinge, die wir vorhaben und anbieten, kann man sich wunderbar &amp;uuml;ber unseren News&amp;shy;letter informieren, der ganz einfach &amp;uuml;ber unsere Website abonniert werden kann.&amp;nbsp; &amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://kultur-denken.podigee.io" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;kultur-denken.podigee.io&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;br&gt;&lt;a href="https://olfac.kunstuni-linz.at" target="_blank" rel="noopener"&gt;&lt;em&gt;olfac.kunstuni-linz.at&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Silke Felber &lt;/strong&gt;ist Professorin f&amp;uuml;r Wissensgeschichte an der Kunstuniversit&amp;auml;t Linz und habilitierte Theater- und Kulturwissenschafterin. Das aktuell von ihr geleitete ERC-Consolidator-Projekt OLFAC befasst sich mit den &amp;ouml;kologischen und (de-)kolonialen Implikationen des Olfaktiven in k&amp;uuml;nstlerischen und milit&amp;auml;rischen Kontexten. Gemeinsam mit David Krych ist sie Gr&amp;uuml;nderin und Herausgeberin der mehrsprachigen Fachzeitschrift &lt;/em&gt;ephemer &amp;ndash; Journal for Performance and Theater Research.&lt;em&gt; Ihre Forschung wurde u. a. mit dem Hertha-Firnberg &amp;ndash; sowie dem Elise-Richter-Preis des FWF, dem Mercator Award und dem Consolidator Grant des Europ&amp;auml;ischen Forschungsrats ausgezeichnet.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</summary></entry></feed>