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Dunkle Klänge

By   /  1. Dezember 2017  /  No Comments

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DVRST, eine Performancekollaboration bestehend aus Tanja Fuchs und Vinzenz Landl bewegt sich zwischen Experimentalkunst und Clubkultur. Erst im Sommer 2017 gegründet, entwickelte sich die Formation stetig und schon spielen DVRST beim MEM Festival for International Experimental Arts in Bilbao. Alexander Eigner hat DVRST getroffen.

Gleich zu Beginn stellen sich Fragen: Heißt die Formation nun DVRST? Sagt man DURST? Oder doch DÖRST? Ist es gar die Abkürzung für DiVerSiTy? Die genaue Bedeutung konnte nicht ermittelt werden. Ein Code scheint naheliegend. Ein Blick auf einen der Tracktitel, l0v34th33mpty, könnte den Anschein irren Geschreibsels erwecken. Aber nein, vielmehr ziehen sich diese Codes durch das ganze Projekt. Vinzenz und Tanja verstehen sich als FreundInnen der Abstraktion. Offensichtlich: o1no1on1o. Somit bleibt Freiraum für Interpretation, was es DVRST ermöglicht, sich selbst und ihre Tracks immer wieder zu verändern, was den konstanten Wandel unvermeidbar macht. Manchmal ist es schlichtweg spannender, sich abseits der Norm auszudrücken: v8edurj422. Man muss schon zwischen den Zahlen lesen.

Frei von Gender- und Genreschubladen geben sich Tanja und Vinzenz ihren Bühnenauftritten hin. Ein kraftvoll-magischer Sound, in Richtung Post-Rave gehend, entsteht. Während sich die Menschen im Publikum langsam in Bewegung setzen, wissen deren Füße nicht genau, was sie jetzt machen sollen, und trotzdem fühlt sich jeder Fuß dabei wohl: Fußtrance. Für DVRST ist es wichtig zu beobachten, wie sich die ZuhörerInnen zu ihrem drückenden Sound bewegen. Selbst wenn diese nur starren, wird das wahrgenommen. Tanja ist stets versucht auf die Menschen einzugehen, sei es durch Blicke oder Bewegungen. Und DVRST sind bereit auf ihr Publikums einzuwirken und das zu liefern, was „der Raum braucht“, selbst wenn dieser nach Wahnsinn verlangt.

„Witches are not explaining the voodoo to everyone“. Tanjas Texte sind oft drastisch, bildhaft direkt und obschon der Sound oft repetitiv-minimalistisch ist, ist die Sprachkunst bestechend körperlich: „Moon was decreasing — skin got burned“. War man schon einmal bei einem DVRST-Gig dabei, ist es nicht auszuschließen, sich bei einem nächsten Gig selbst zu hören. Auf der Loop-Station sammelt Tanja Publikumsgeräusche und Gekreische von vorherigen Shows zusammen, welche sie dann live, Schicht für Schicht, upcycled. Vinzenz, bisher am Synthesizer zaubernd, wird wohl auch bald einen sprachlichen Input zu DVRST liefern.

Geht man näher auf dieses Projekt ein, ist man mit einem weiteren Aspekt ihres Auftretens konfrontiert: dem Artwork. Der Blick fällt auf ein gerne verwendetes Bildsujet: das zweibeinige, dreiäugige, nasenblutende Wesen mit schwerer Kette im Bauch. Klartext gibt es bei DVRST selten. Auch ihre Fotos sind stets nebulös: Stahlkette, Bademantel, Schrottkarre. Offensichtlich weitere Codes. Artwork-Verschlüssler: Andreas Christian Haslauer, Epileptic Media. Foto-Verschlüssler: Johannes Oberhuber, Umbra Umbra.

Tanja, erfahren als Anarcho-Pop-Queen bei Fudkanista oder auch als Abu Gabi, kennt die experimentelle Bühne. Als Abu Gabi feierte sie am 3. November ihren ersten Solo-Auftritt im Quitch. Vinzenz hatte mit The Similars diverse Auftritte in Linz und arbeitete zuletzt als Tontechniker bei vielen Veranstaltungen des Kulturvereins Klangfolger Gallneukirchen. Hier lernten sich die beiden auch kennen und erkannten ihre gegenseitigen Talente. Aus einem Experiment in einem Gallneukirchner Keller wurde im Juli 2017 plötzlich ein Experimentalkunst-Projekt mit Elementen aus Post-Rave, Illbient und Experimental Electronics.

Experimentalkunst, das passt doch zum Mem-Festival for International Experimental Arts in Bilbao, dachte Tanja, als sie für dieses Festival mit der Formation Cine-Concert Fernweh/Heimweh gebucht wurde, und wurde prompt für einen weiteren Auftritt mit DVRST bestellt. Nach Auftritten in der Linzer Kapu und in den Wiener Underground-Clubs SUB (Super Unusual Beings) beziehungsweise Celeste, folgt also der erste große Vergleich mit ähnlich gesinnten Künstlern im ehrwürdigen Guggenheim-Museum in Bilbao.

Ein Auftritt von DVRST – ein Feuerwerk an Intuition. Die Bässe sind stets tief, der Sound grundsätzlich schwer, die Sprache meist schmerzhaft, aber voller Offenheit. Mit dieser Mischung wollen sie ihr Publikum aus der eigenen Dunkelheit zurück in die Wärme begleiten. Der Weg dieses düster-frischen Projektes ist jetzt schon ein interessanter und das Frühjahr wird einige weitere Überraschungen hervorbringen.

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schreibt für die Referentin über Musik.

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